Klimaschutz
04.04.2017

Europa erreicht sein Ziel zum Erneuerbaren-Ausbau

News Öresund/Flickr.com
Windpark in Schweden

Deutschland liegt im Plan. Frankreich, Niederlande und Luxemburg patzen zwar – aber die anderen EU-Staaten kompensieren das durch Mehraufwendungen.

Es ist eine gute Nachricht: Die Europäische Union wird aller Voraussicht nach ihr Ziel erreichen, bis 2020 den Energieverbrauch ihrer 510 Millionen Bürger zu 20 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken. Dies geht aus einer noch unveröffentlichten Übersicht der EU-Kommission hervor, die bizz energy vorliegt. Danach hatten erneuerbare Energien zum Jahresende 2015 bereits einen Anteil von 16,4 Prozent am Gesamtverbrauch der EU.

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EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete sagt bizz energy: „Europa ist auf einem guten Weg, die für 2020 gesetzten Ziele der Klima- und Energiepolitik zu erreichen.“ Trotz der geopolitischen Unwägbarkeiten arbeite die EU unbeirrbar an der Energiewende. Nach Berechnungen der Kommission wird die Gemeinschaft auch die auf der Pariser Klimaschutzkonferenz eingegangene Verpflichtung erfüllen, bis 2030 mindestens 27 Prozent der konsumierten Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen.

Laut der Kommissionsübersicht erreichten oder übertrafen alle EU-Länder ihre Zielvorgaben für 2015 – bis auf Frankreich, Niederlande und Luxemburg. Ihre Defizite werden aber von den Mehraufwendungen der übrigen EU-Länder kompensiert. Allerdings setzen die EU-Staaten sehr unterschiedlich auf erneuerbare Energien. Dies reicht von 54,1 Prozent des Spitzenreiters Schweden bis zu mageren 5,0 Prozent des Schlusslichts Luxemburg – immerhin Heimat von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Schweden profitiert von seiner Küstenlinie

In den Zahlen der Kommission kommen neben verschiedenen politischen Prioritäten auch unterschiedliche natürliche Gegebenheiten zum Ausdruck, die einem Ausbau der Erneuerbaren förderlich oder hinderlich sind. So verfügen die führenden Länder der Energiewende über besonders viel Potenzial bei der Nutzung von Wasser- oder Windkraft.

Schweden etwa bezieht einen erheblichen Teil seines Stroms aus Wasserkraftwerken und hat dank der langen Küstenlinie auch hervorragende Standorte für Windanlagen. Das gilt ebenfalls für Finnland, das zudem von relativ konstanten Windgeschwindigkeiten in den arktischen Regionen profitiert. Bis 2020 will das Land den Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch von 39,5 auf 50 Prozent steigern. Auch Lettland (2015: 39,2 Prozent Erneuerbare) und Dänemark (30,6 Prozent) setzen vor allem auf Windkraft, während in Österreich (33,6 Prozent) besonders die Wasserkraft zum hohen Anteil der grünen Energieerzeugung beiträgt. 

Benelux-Länder auf den hinteren Plätzen

Am Ende der Liste rangieren neben Luxemburg auch die beiden anderen Benelux-Länder –  Niederlande (6,0 Prozent) und Belgien (7,3 Prozent). Obwohl sie dank ihrer Nordseeküsten gute Standorte für die Nutzung von Windenergie besitzen, kommt der Ausbau nur schleppend voran. Ihre Erneuerbaren-Ziele für 2020 von 13 beziehungsweise 14 Prozent werden die Holländer und Belgier deshalb kaum mehr erreichen. Die Niederlande setzten bislang vor allem auf heimisches Erdgas, das rund 40 Prozent zum Energieverbrauch beiträgt, Belgien auf die Nutzung der Atomenergie, die trotz des bis 2025 geplanten Ausstiegs noch 55 Prozent zur Stromversorgung beisteuert.

Obwohl sich die Deutschen häufig ihrer Vorbildfunktion beim Ausbau der Erneuerbaren rühmen, deckt sich dies nicht mit den Kommissionszahlen. 14,5 Prozent hat der Anteil sauberer Energien hierzulande 2015 am Gesamtverbrauch erreicht. Das liegt fast zwei Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt und entspricht bis auf die Kommastelle dem Niveau Frankreichs – einem Land, das nicht gerade für großen Ehrgeiz bei der Energiewende bekannt ist. Dennoch liegt die Bundesrepublik im Plan. Bis 2020 sollen hierzulande 18 Prozent des Endenergieverbrauchs aus Erneuerbaren stammen. Diese Zielmarke erachtet nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die Kommission für erreichbar.

Norbert Mühlberger
Keywords:
EU | Ausbau | erneuerbare Energien | Energiewende | EU_Kommission
Ressorts:
Governance

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