UN-Klimakonferenz
09.11.2017

Klimaökonom Edenhofer: "CO2-Preise sukzessive anheben"

Foto: BUMB
Hohe Erwartungen: Teilnehmer der UN-Klimakonferenz COP 23 in Bonn.

Deutschlands führender Klimaökonom Ottmar Edenhofer erwartet vom Bonner UN-Klimagipfel Druck auf die Regierungen, die Preise im CO2-Emissionshandel anzuheben.

Herr Professor Edenhofer, welche Signale sollten vom laufenden UN-Klimagipfel in Bonn ausgehen?

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Die freiwilligen Selbstverpflichtungen, die die Länder in Paris auf den Tisch gelegt haben, reichen für das Zwei-Grad-Ziel in keiner Weise aus. Das wissen alle. Die große Aufgabe in Bonn wird sein, das Ambitionsniveau zu erhöhen. Über Hundert Länder sprechen sich daher in ihren Selbstverpflichtungen für CO2-Preise aus. Entscheidend ist, dass diese so implementiert werden, dass die Preissignale dem Zwei-Grad-Ziel entsprechen.

Gibt es irgendwo Anzeichen für steigende CO2-Preise?

Im US-Bundesstaat Kalifornien ist der Emissionshandel trotz Präsident Donald Trump grundlegend reformiert worden. Wir sehen dort eine ganze Menge Bewegung, und ich habe die Hoffnung, dass der Emissionshandel in China Zähne bekommt. Denn die lokale Luftverschmutzung ist dort ein Riesenproblem. Meine Erwartung ist, dass es in mehr Ländern effiziente und faire CO2-Preise gibt. Und ich würde mir wünschen, dass auch Europa jetzt einen großen Schritt vorangeht.

Halten Sie in Bonn konkrete Beschlüsse für möglich?

Nein, in Bonn wird man noch nach einer Metrik suchen, um die freiwilligen Selbstverpflichtungen und Anstrengungen vergleichbar zu machen. Wir müssen in Bonn dafür sorgen, dass die nationalen Regierungen ihre CO2-Preise koordinieren und sukzessive anheben.

Ottmar Edenhofer ist Direktor des Mercator-Klimainstituts MCC in Berlin. Foto: MCC
Welche Chancen sehen Sie für einen globalen CO2-Mindestpreis?

Der ist aus meiner Sicht gar nicht notwendig. Es genügt, wenn sich die Länder zu Mindestpreisen verpflichten und diese schrittweise einführen. Wir brauchen keinen einheitlichen globalen Emissionsmarkt. Solche Vorstellungen sind schädlich, weil die Leute das Gefühl bekommen, die nationale Souveränität werde beeinträchtigt. Stattdessen brauchen die Länder die volle Kontrolle über ihre Einnahmen – ohne befürchten zu müssen, dass sie in andere Länder abfließen. Entscheidend ist, dass die CO2-Preise steigen und bis 2030 konvergieren.

Wie werden sich die USA auf dem Klimagipfel verhalten?

Die Trump-Administration wird sich ambivalent verhalten. Im günstigsten Fall wird sie keine allzu destruktive Rolle spielen. Und: Die Trump-Administration ist nicht Amerika. Die Musik spielt dort im Moment auf der Ebene der Bundesstaaten. Kalifornien beispielweise will die Verkehrsemissionen senken. Die Regulierer dort haben einen ganz anderen Elan als in Europa, gegen Lobbyinteressen vorzugehen. Kalifornien und auch andere Bundesstaaten werden sich von Trump nicht von der Energiewende abhalten lassen. Unterstützt von der Bevölkerung wird es einen großen Transformationsprozess geben.

Ziehen sich die USA unter Donald Trump vielleicht also doch nicht aus dem Pariser Klimaabkommen zurück?

Ich glaube, dass Donald Trump nach dem Abgang seines Beraters Steve Bannon das Interesse am Ausstieg aus dem Abkommen schon wieder verloren hat. Seine Administration ist sehr heterogen, und sie hat keine klare Strategie. Es ist sehr gut möglich, dass sie den Ausstieg nicht vollzieht.

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer leitet das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change“ (MCC) in Berlin. Er ist Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Mitglied des Weltklimarats IPCC.

 

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J. Müller-Soares, C. Schaudwet
Keywords:
UN-Klimagipfel | COP 23 | CO2 Mindestpreis | Klimaschutz
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