Verkehrswende
23.01.2018

Eon-Chef Teyssen: Elektromobilität muss besser verkauft werden

Foto: Eon/Uniti
Der elektrische Kleinwagen Uniti soll mit kostenlosem Ökostrom von Eon angeboten werden.

Die Industrie soll nicht auf ideale Rahmenbedingungen warten, sondern die Vorzüge von E-Fahrzeugen vermarkten, fordert Eon-Manager Johannes Teyssen. Die Reichweitendebatte hält er für „dämlich“.

Eon-Chef Johannes Teyssen fordert einen Kulturwandel, um Energiewende und   Elektromobilität zum Laufen zu bringen. Klimapolitisch nachhaltig sei letztere zwar nur, wenn die Fahrzeuge mit Grünstrom betrieben würden – schließlich werde ein durchschnittliches E-Auto so viel Energie verbrauchen wie ein Zweifamilienhaushalt. Dennoch dürfe die Industrie nicht auf den richtigen Energiemix oder den Ausbau der Ladeinfrastruktur warten, sagt Teyssen zum Auftakt der Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin.

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Wenn man darauf warte, dass alle Randbedingungen stimmten und sich alle gleichzeitig bewegten, geschehe keine Innovation. „Nach dieser Logik wäre jahrelang kein Porsche gebaut worden, weil die Straßen noch gar nicht dafür ausgelegt waren“, so Teyssen. Porsche habe jedoch schon vor dem Bau der Autobahnen losgelegt.

Partnerschaften mit Autobauern

Der Energieversorger Eon versucht durch Partnerschaften mit Autobauern, auf dem neu entstehenden Strommarkt der Elektromobilität zu punkten. So bietet das Unternehmen gemeinsam mit dem Autobauer BMW den Ökostromtarif „Drive Green Power“ an, mit dem BMW-Kunden Haushalts- und Ladestrom aus einer Hand buchen können.

Zudem gab Eon im Dezember 2017 eine Kooperation mit dem schwedischen Auto-Start-up Uniti bekannt. Das bringt 2019 den elektrischen Kleinwagen Uniti One auf den Markt. Er soll nur 15.000 Euro kosten und mit Eon-Strom fahren – kostenlos, zumindest für die ersten fünf Jahre oder 60.000 Kilometer. Teyssen räumt ein, dass der Strom schon eingepreist sei. Dem Käufer sei das aber egal – für ihn zähle, dass er für die ersten 60.000 Kilometer an der Tankstelle nie zur Geldbörse greifen müsse. „Das ist geil“, so der Manager.

Fokus auf Tank-Ersparnis legen

Teyssen kritisiert die andauernde Debatte um Reichweiten in der E-Mobilität als „dämlich“. „Wir halten uns ein stückweit in unserer eigenen Unfähigkeit gefangen“, sagt er. Dabei lernten Kinder schon beim Quartettspielen, dass man immer mit dem Thema zu punkten versuchen müsse, bei dem man am stärksten sei. Deshalb solle die Industrie den Fokus beispielsweise lieber auf die Ersparnis beim Tanken legen. Wenn ein Kunde glaubwürdig sagen könne, dass er mit seinem E-Auto 1.000 Kilometer zum Preis von 40 Euro zurücklege, sei das eine ganz andere Botschaft, als über Reichweiten zu diskutieren, so Teyssen.

Die Frage, ob die Zukunft komplett elektrisch sein wird, stellt sich für den Eon-Vorstandschef nicht. Er wisse weder ob noch wie schnell eine „All-electric-Society“ kommen werde. Beides sei nur aus ideologischer, nicht aber aus unternehmerischer Sicht wichtig. Fest stehe, dass die Zukunft immer elektrischer werde – mit großem Wachstumspotenzial. Deshalb sei es völlig irrelevant, ob man „irgendwann auf den Gräbern einer anderen Branche tanzt“. Teyssen fährt nach eigenem Bekunden einen Mercedes mit Dieselantrieb und einen VW Polo. Als nächstes wolle er sich aber ein E-Auto kaufen.

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Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Erneuerbare Energie | Eon | Johannes Teyssen
Ressorts:
Markets

Kommentare

das ist das allerwichtigste. und auch ohne Grünstrom ist ein E-Auto einfach besser, weil besserer Wirkungsgrad (20kWh auf 100km im fetten Tesla sind eben ca. 2 l Diesel - wenn dieser strom im Großkraftwerk aus Rohöl hergestellt wird,sind es eben immer noch erst 4 l Rohöl! mit besseren Filtern und die Abwärme in Fernwärme spart noch nebenbei Heizöl.))

Schön ist es wenn man sich die Welt so rechnet wie man sie braucht.
Bei der Herstellung der Akkus entsteht CO² für 80000km Fahrt mit einem herkömmlichen Auto (in etwa) - erst danach wird Ihre Rechnung aktiv - an diesem Punkt hat das Auto aber schon 3200l Rohöl verbraucht (Ihre Rechnung - 4l/100km), jetzt schauen Sie doch mal immer noch auf "einfach besser" kommen.....

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