G20-Gipfel
11.07.2017

Entwicklungsexperte: Industrieländer übernehmen bei Klimafonds US-Anteil

Foto: Creative Commons/Stephan Magdalinski
Die nigerianische Hafenstadt Lagos gilt bei einem Anstieg des Meeresspiegels als überschwemmungsbedroht.

Der UN-Klimafonds für ärmere Länder könnte für Deutschland deutlich teurer werden. Die Industrienationen haben sich verpflichtet, den Fonds auch ohne die USA voll zu finanzieren, sagt G20-Berater Dirk Messner.

Die größten Industrieländer wollen ihre 100-Milliarden-Dollar-Zusage für den Klimafonds der Vereinten Nationen auch dann einhalten, wenn die USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump einen Rückzieher machen. Diesen Schluss zieht der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), Dirk Messner, aus der Abschlusserklärung des G20-Gipfels in Hamburg.

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„Die Staats- und Regierungschefs haben ihre Verpflichtung zu den 100 Milliarden Dollar in Hamburg bekräftigt“, sagte Messner im Gespräch mit bizz energy. „Damit haben sie implizit zugesagt, dass sie auch den Anteil der USA finanzieren werden, falls diese sich unter Donald Trump zurückziehen.“ Das und die Tatsache, dass der US-Präsident den Klimaschutz-Konsens der anderen Staaten nicht habe sprengen können, seien wichtige Signale.

Schutz vor Dürren und Überschwemmungen

Die Gelder aus dem geplanten Klimafonds sollen ärmeren, von der Erderwärmung besonders betroffenen Ländern helfen, sich vor Folgen wie Dürren und Überschwemmungen zu schützen. Die Industrieländer hatten sich auf der UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen dazu verpflichtet, ab 2020 pro Jahr 100 Milliarden Dollar über den Fonds bereitzustellen. Die USA haben unter Trumps Vorgänger Barack Obama eine Milliarde Dollar eingezahlt, zugesagt hatte das Weiße Haus insgesamt drei Milliarden Dollar.

Ungeklärt ist die Rolle der Türkei. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte auf dem G20-Gipfel für sein Land Anspruch auf Zuwendungen aus dem Fonds erhoben. Anderenfalls werde das türkische Parlament das Pariser Klimaabkommen von 2015  nicht ratifizieren.

„Keine verbindlichen Schlussfolgerungen“

Abgesehen von dem Bekenntnis zum Klimafonds stellte Messner, der Co-Vorsitzender des G20-Forschungs- und Beratungsnetzwerks T20 ist, den Spitzenpolitikern in Bezug auf das Finanzsystem ein gemischtes Zeugnis aus. Zwar seien wichtige Initiativen zur Kenntnis genommen worden – so etwa die Forderung des britischen Notenbankchefs Mark Carney, dass Konzerne die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf das Klima bilanzieren sollen. In den Abschlussdokumenten des G20-Gipfels fehlten aber verbindliche Schlussfolgerungen, sagte Messner.

Christian Schaudwet
Keywords:
Klimafonds | Dirk Messner | G20 | Klimafolgen | Donald Trump
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