Fusionen und Übernahmen
06.02.2017

Energiebranche bei Investoren weiter hoch im Kurs

Foto: Roy.luck
Tanklager des kanadischen Energie-Unternehmens Enbridge.

Der Wert der Fusionen und Übernahmen im Energiesektor ist 2016 um fast 50 Prozent gestiegen. Die Branche geht davon aus, dass der weltweite Trend weg von Investments mit hohen CO2-Emissionen anhält.

Die Klimaschutzpolitik wird sich unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump ändern, so viel ist absehbar: Die Seite zum Thema Klimawandel verschwand bereits kurz nach Trumps Amtsantritt von der Homepage des Weißen Hauses.  Dennoch sei das Interesse an Unternehmen aus dem Bereich Energiewirtschaft bei Investoren weiter hoch, heißt es in einer neuen Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Das liege zum einen an dem Umbruch in der Energiewirtschaft, der durch erneuerbare Energien und die Digitalisierung angetrieben werde, zum anderen an den stabilen Erträgen in der Branche.

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Für das laufende Jahr sei der Ausblick zwar nicht mehr ganz so optimistisch, die Aussichten blieben aber grundsätzlich gut. „Viele Marktteilnehmer befürchten eine Korrektur der Klimaschutzpolitik durch den neuen US-Präsidenten“, sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC. „Der grundlegende Umbau der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien und der weltweite Trend hin zum Abbau von Investments mit hohen CO2-Emissionen sind aber nicht aufzuhalten.“

Konsolidierung in Energiebranche befeuert Übernahmen

Das Volumen der Übernahmen und Fusionen stieg 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 47 Prozent auf 293 Milliarden US-Dollar, wie der Report „Power and Renewables Deals 2017“ zeigt. Die Zahl der Deals ging hingegen um acht Prozent zurück. Laut PwC hat auch die anhaltende Konsolidierung innerhalb der Energiebranche zu dem starken Zuwachs beim Volumen beigetragen. Vor allem die Nachfrage von institutionellen Investoren und Infrastrukturfonds stieg – von 37 Milliarden im Jahr 2015 auf 65 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr.

Der Analyse zufolge werden erneuerbare Energien trotz der politischen Unsicherheit im Vergleich zu den Vorjahren weiter an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Innovative Technologien wie Energiespeicher oder intelligente Stromnetze als auch die steigende Zahl an Elektrofahrzeugen ermöglichten neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Hinzu kämen die stabilen, oft über einen längeren Zeitraum kalkulierbaren Erträge in der regulierten Energiewirtschaft. „Deswegen rechnen wir damit, dass das Interesse an Fusionen und Übernahmen groß bleibt und die Bewertungen potenzieller Kaufkandidaten weiter steigen“, sagt Schwieters.

Weniger Transaktionsvolumen bei erneuerbaren Energien

Der Zuwachs bei den Fusionen und Übernahmen im vergangenen Jahr geht vor allem auf Deals im Bereich fossile Energien zurück, besonders im Strom- und Gas-Sektor. Das  Transaktionsvolumen im Bereich erneuerbare Energien sanken dagegen im Vergleich zu 2015 um 31 Prozent – auf 38 Milliarden US-Dollar. Laut PwC liegt das vor allem daran, dass weniger Wasserkraft-Deals als in den Vorjahren geschlossen wurden. 

Der nordamerikanische Markt für Transaktionen erreichte 2016 ein Rekord-Hoch von 176 Milliarden US-Dollar. Er steht damit für mehr als die Hälfte der weltweiten Transaktionen. Das hängt insbesondere mit einer Serie von Mega-Deals im Gas- und Strommarkt zusammen, zum Beispiel der Fusion der kanadischen Firma Enbridge mit dem US-Unternehmen Spectra Energy. Für die Zukunft rechnet PwC jedoch mit mehr Zurückhaltung – als Folge der Ankündigung der US-Notenbank, die Zinsen weiter anzuheben: Dies könnte zu steigenden Finanzierungskosten führen.

In Europa sank die Zahl der Deals im Jahr 2016, während die Transaktionssumme stieg. Das größte Geschäft war der Verkauf von rund 60 Prozent der Anteile des Gasvertriebsarms des britischen Übertragungsnetzbetreibers National Grid an Macquarie Infrastructure. Höhe: 10,6 Milliarden Dollar. Der Brexit und die Wahlen in Frankreich und Deutschland sorgten in Europa zwar für Unsicherheit, werden sich nach Einschätzung von PwC aber nicht besonders auf den M&A-Markt auswirken: „In einem Umfeld mit niedrigen Zinsen und vergleichsweise schwachem Wachstum bleiben Transaktionen im Energiesektor in Europa weiter attraktiv“, sagt Energiewirtschaft-Leiter Schwieters.

Jutta Maier
Keywords:
erneuerbare Energien | Investoren | Fusionen und Übernahmen | Donald Trump | Nordamerika
Ressorts:
Finance | Markets

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