Berater-Gremium
08.02.2017

Elon Musk und Donald Trump rücken zusammen

Foto: Flickr/Brad

Der Tesla-Gründer muss wegen seiner Nähe zum US-Präsidenten viel Kritik einstecken. Doch offenbar vereint sie nun das Ziel, neue Jobs im Lande zu schaffen.

Der Druck seiner Fan-Gemeinde war wohl zu groß: Elon Musk hat sich mit seinen Firmen Tesla und SpaceX doch noch an einem Schreiben von mehr als 100 US-Firmen gegen das umstrittene Einreiseverbot für Menschen aus sieben überwiegend muslimischen Ländern beteiligt. Die Firmen unterstützen darin eine Klage des Bundesstaates Washington gegen das Dekret von US-Präsident Donald Trump, die am Wochenende von einem Berufungsgericht in San Francisco vorläufig außer Kraft gesetzt wurde. Die Erklärung war am Sonntag von 97 Firmen unterschrieben worden, tags darauf schlossen sich weitere 31 Firmen der Eingabe an – darunter Tesla und SpaceX.

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Musk war bereits zuvor heftig dafür kritisiert worden, dass er trotz der umstrittenen Politik Trumps in dessen wirtschaftlicher Beraterrunde „Strategic and Policy Forum“bleibt. Travis Kalanick, Chef des US-Fahrdienstes Uber, zog sich aus dem Gremium zurück, nachdem mehr als 200.000 Nutzer ihre Accounts gelöscht hatten und in sozialen Netzwerken zum Boykott der App aufgerufen wurde. Die 19-köpfige Runde hatte sich am vergangenen Samstag getroffen. Außer Musk hat keines der Mitglieder die Erklärung gegen den Einreisestopp unterschrieben.

Musk verteidigt Entscheidung auf Twitter

Auf Twitter verteidigte Musk seine Entscheidung, in dem Gremium zu bleiben: „Aktivisten sollten darauf drängen, dass mehr Moderate den Präsidenten beraten, nicht weniger. Wie sollte er ausschließlich von Extremisten gut beraten werden?“ Er habe während des Berater-Treffens gemeinsam mit anderen Teilnehmern dafür gesorgt, dass das Einreiseverbot ganz oben auf der Agenda steht, so Musk. Außerdem habe er den Klimaschutz angesprochen und werde dies auch in Zukunft tun. Der Silicon-Valley-Star soll außerdem eine CO2-Steuer ins Spiel gebracht haben, damit aber sowohl bei Trump als auch bei den anderen Teilnehmern des Treffens abgeblitzt sein.

Musk erntete mit seinen Rechtfertigungsversuchen auf Twitter jedoch nur weiteren Protest. Viele seiner Follower kritisieren, dass er seinem Image mit der Nähe zur Trump-Administration schadet und sich gegenüber eines Kabinetts von Klimaleugnern ohnehin kein Gehör verschaffen kann.
Auf den ersten Blick könnten die Interessen von Trump und Musk tatsächlich nicht unterschiedlicher sein: Schließlich ist es Musks erklärtes Ziel, die Menschheit aus der Abhängigkeit fossiler Brennstoffe zu befreien, während Trump Öl, Kohle und Gas stärker fördern will. Doch auf den zweiten Blick erscheint eine Kooperation durchaus sinnvoll: Schließlich haben Musks Unternehmen – vor allem in den USA – Arbeitsplätze geschaffen, und neue Jobs für die USA sind ein zentrales Anliegen von Trump.

Lob für Außenminister Rex Tillerson

So lässt sich vielleicht erklären, dass Musk sogar Außenminister Rex Tillerson öffentlich lobte – obwohl er früher Chef des Öl-Konzerns Exxon Mobil war. Musk ist durch und durch Geschäftsmann, er suchte immer die Nähe des Weißen Hauses. Viele Male traf er sich mit Ex-Präsident Obama. Eine Praxis, die er nun offensichtlich fortsetzt. Schließlich profitierten seine Unternehmen stets von staatlichen Hilfen: Zum Beispiel von den Steuervergünstigungen für den Kauf von Elektroautos oder für die Installation von Solaranlagen. Zu Musks Firmenimperium gehört auch der Solaranlagenbauer Solarcity, den er vor einigen Monaten von seinen Cousins übernommen hat.

Mit der Teilnahme am Beraterforum ist es für Musk übrigens nicht getan: Zusammen mit anderen Unternehmenschefs wie jenen von Ford, General Electric oder Boeing gehört er außerdem der sogenannten Manufacturing Jobs Initiative des Weißen Hauses an. Bei einem Treffen Ende Januar hatte Trump den Firmenbossen versprochen, Steuern und Regulierungen um 75 Prozent zu reduzieren, wenn sie im Gegenzug ihre Produkte in den USA fertigen. Gleichzeitig drohte er mit hohen Importzöllen für Unternehmen, die ihre Fabriken außerhalb der USA errichten. Tesla baut derzeit in der Wüste von Nevada eine gigantische Batteriefabrik namens Gigafactory, in der voraussichtlich 6500 Jobs entstehen werden. Zudem ist eine weitere Produktionsstätte in Europa im Gespräch. Tesla ist neben  Dell übrigens das einzige Unternehmen, das die Erklärung gegen das Einreiseverbot unterzeichnet hat und zugleich in der Manufacturing Jobs Initiative vertreten ist.

An der Börse hat sich Musks Nähe zu Trump bereits ausgezahlt: Seitdem im Dezember bekannt wurde, dass der Unternehmer Trump beraten wird, hat die Tesla-Aktie um 33 Prozent zugelegt. Vor der Wahl hatte sich Musk noch gegen Trump als Präsidenten ausgesprochen und dessen Gegnerin Hillary Clinton kräftig mit Wahlkampf-Spenden unterstützt.

Jutta Maier
Keywords:
Donald Trump | Elon Musk | Tesla | SpaceX | Berater-Forum | Einreiseverbot | US-Regierung
Ressorts:
Finance | Technology | Markets

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