Bilanz
10.03.2014

Dramatische Zahlen bei SGL Carbon

SGL Carbon steckt tief in der Krise und schrieb im vergangenen Jahr einen Verlust von über 200 Millionen Euro. Von der Zusammenarbeit mit BMW beim E-Auto i3 kann der Leichtbau-Spezialist derzeit noch nicht profitieren.

Der Wiesbadener Spezialgrafit-Hersteller SGL Carbon hat im vergangenen Geschäftsjahr ein Betriebsergebnis (Ebit) von minus 207 Millionen Euro erzielt. 2012 hatte das Ebit noch bei 110 Millionen Euro im Plus gelegen. Für SGL-Carbon-CEO Jürgen Köhler, der diesen Posten erst Anfang des Jahres übernommen hatte, war das vergangene Geschäftsjahr „eines der operativ schwierigsten überhaupt und verlief enttäuschend“. 

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Der Konzernumsatz sank 2013 um zehn Prozent auf 1,48 Milliarden Euro. Das Geschäft mit Grafikelektroden, die etwa in Hochöfen zum Einsatz kommen, machte nach einem Rückgang von 20 Prozent nur noch knapp über die Hälfte des Umsatzes aus. 

Carbonfaser mit Startschwierigkeiten

Der Umsatz mit den zukunftsträchtigen Kohlestofffasern, zum Beispiel für Elektroautos wie den BMW i3, stieg zwar um 45 Prozent auf 309 Millionen Euro. Jedoch schlug auch dort ein Betriebsergebnis von minus 33 Millionen Euro zu Buche – Sondereinflüsse noch nicht einmal berücksichtigt. SGL Carbon macht dafür hohen Preisdruck und niedrige Kapazitätsauslastung verantwortlich. In dem Geschäftsfeld drückten weitere Sonderbelastungen wie Abschreibungen oder Restrukturierungsmaßnahmen das Ebit auf knapp 180 Millionen Euro ins Minus. 

SGL Carbon setzt trotzdem auf diese Zukunftstechnik. Insbesondere in das Joint Venture mit dem Münchner Autobauer BMW, SGL Automotive Carbon Fibers, möchte das Wiesbadener Unternehmen verstärkt investieren. Im US-Werk in Moses Lake erweitert das Unternehnmen derzeit die Kapazitäten, um sich so auf die „erwartet steigende Nachfrage“ vorzubereiten, wie ein Sprecher gegenüber BIZZ energy today mitteilte.

Dividende fällt aus

Vorstandschef Köhler will den Konzern mit einem Sparprogramm wieder auf Kurs bringen, zum Beispiel durch Werksschließungen in Kanada und Italien. Wegen der miserablen Bilanz soll es in diesem Jahr für die Aktionäre keine Dividende geben. Das rückläufige Geschäft mit den Graphitelektroden wird auch im laufenden Jahr die Bilanz eintrüben, so die Prognose. 

Zwar konnte das Unternehmen Ende 2013 eine neue Unternehmensanleihe platzieren und damit die Finanzierungsbasis stärken. Der höhere Zinssatz der Anleihe werde jedoch im laufenden Jahr zusätzlich auf die Bilanz schlagen. Trotzdem soll der Verlust geringer ausfallen als 2013. 

 

Titelbild: BMW Group

Daniel Seeger
Keywords:
SGL Carbon | Chemie | Elektromobilität | BMW i3
Ressorts:
Finance | Markets

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