USA
07.02.2017

Donald Trump und die Angst vor hohen Zinsen

Wikipedia/ Tony Webster

Zwischen Hoffen und Bangen: Was deutsche Cleantech-Exporteure vom neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten erwarten.

Der New Yorker Flughafen LaGuardia sehe aus wie in einem Dritte-Welt-Land, klagte Donald Trump im US-Wahlkampf. Der neue Präsident dürfte damit selbst bei einigen demokratischen Wählern einen Nerv getroffen haben. Flughäfen, Straßen und Schienenverkehr, das Telekommunikations- und das Stromnetz: Die Infrastruktur in den USA ist vielerorts marode, der Investitionsbedarf groß. Obamas Stimulus-Paket von 2009 über 830 Milliarden Dollar brachte zwar Verbesserungen – besonders im Verkehrswesen und der Energieinfrastruktur – doch es gibt noch immer viel zu tun. Trump hat angekündigt, Amerikas Straßen, Brücken und Flughäfen mit einem gigantischen Sanierungsprogramm von einer Billion Dollar auf Vordermann zu bringen und so tausende neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Er sieht sich dabei in der Tradition des ehemaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower, der seinerzeit das Interstate-Autobahnnetz erschuf.

Anzeige*

Trump hat sein Mega-Programm „America’s Infrastructure First“ getauft. Der amerikanische Bausektor legt große Hoffnungen in die angekündigten Investitionen. Ob von dem Stimulus jedoch auch ausländische Unternehmen profitieren, ist fraglich. Schließlich hat Trump jüngst angekündigt, Importe mit hohen Einfuhrzöllen belegen zu wollen. 35 Prozent Steuern drohte er deutschen Autoherstellern an, die in Mexiko gefertigte Fahrzeuge in die Vereinigten Staaten verkaufen wollen. Die USA sind der wichtigste Export-Markt für Deutschland, 2015 verkauften deutsche Firmen Waren im Wert von 114 Milliarden Euro dorthin – vor allem Fahrzeuge, Autoteile sowie Maschinen und Pharmaerzeugnisse.

Strafzölle von 35 Prozent sind wohl nur eingeschränkt möglich

Zu den Maschinen zählen auch Anlagen für erneuerbare Energien. Wissen und Technik „Made in Germany“ seien Exportschlager, auch bei der Erzeugung von Strom, Wärme und Kraftstoff aus regenerativen Quellen, so die Agentur für Erneuerbare Energien. Vor allem das Auslandsgeschäft mit Wind- und Wasserkraftkomponenten  ist von großer Bedeutung – die Exportquoten liegen hier bei 68 bis 80 Prozent. Die USA zählen neben China, Indien und der EU zu den größten Wachstumsmärkten, 100.000 deutsche Arbeitsplätze hängen am Auslandsgeschäft mit grüner Technologie. Massive Handelsbeschränkungen würden die Branche also empfindlich treffen.

Dennoch: Bei Unternehmen und Verbänden gibt man sich vorsichtig zurückhaltend. „Es bleibt abzuwarten, wie viele seiner Ankündigungen Donald Trump tatsächlich realisieren wird, denn schließlich müssen Gesetze ja auch vom Kongress verabschiedet werden“, sagt Pierre-Pascal Urbon, Vorstandssprecher von SMA Solar. Der hessische  Wechselrichter-Hersteller macht 45 Prozent seiner Umsätze in Nord- und Südamerika. Urbon verweist darauf, dass Demokraten und Republikaner die aktuell geltenden Steuerrabatte auf die Installation von Photovoltaik-Anlagen gemeinschaftlich im Kongress verabschiedet haben. „Daher sollte die Situation zum aktuellen Zeitpunkt nicht überbewertet werden“, sagt der Vorstandssprecher.

Auch das Bonner Unternehmen Solarworld rechnet nicht damit, dass Trump tatsächlich Strafzölle von 35 Prozent einführt. „Grundsätzlich ist das rechtlich nur eingeschränkt möglich“, sagt Vize-Chef Milan Nitzschke. Doch selbst wenn es dazu kommen sollte, wäre Solarworld in einer Sonderposition: Das Bonner Unternehmen fertigt seine Photovoltaik-Anlagen auch in den USA. Für die Erneuerbare-Energien-Branche ist Nitzschke grundsätzlich optimistisch – bei der Sonne handle es sich in den USA schließlich um eine originär amerikanische Energiequelle. „Der wirtschaftliche Sachverstand in der neuen Regierung wird dazu führen, dass wir in den nächsten Jahren deutlich mehr Einsatz erneuerbarer Energien sehen werden, als gegenwärtig erwartet wird”, glaubt Nitzschke.
Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie, ist ebenfalls zurückhaltend. „Ob sich die USA unter Präsident Trump wirklich zu einem Handelskrieg mit Zöllen und Abschottung hinreißen lassen, bezweifle ich“, sagt er. Dafür seien globale Unternehmen heute zu stark aufeinander angewiesen. Zudem würden wesentliche wirtschafts- und klimapolitische Entscheidungen in den USA auf bundesstaatlicher Ebene getroffen. Und die Bundesstaaten unterstützten grüne Technologien. „Deutsche Unternehmen haben dabei in vielen Bereichen die Nase vorn, und am Ende wollen auch die amerikanischen Kunden in erster Linie Qualität“, so Albers.

Er sieht das eigentliche Risiko darin, dass Trumps Infrastrukturprogramm,  die Steuersenkungen und die Erhöhung der Militärausgaben zu Zinssprüngen führen könnten – zuerst in den USA, dann in Europa. „Dies würde Investitionen in grüne Technologien weltweit gefährden“, sagt Albers.

Jutta Maier
Keywords:
USA | Donald Trump | Strafzölle | Cleantech | Exporte
Ressorts:
Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy April 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports


Aktuelle Angebote:
» Zur Ausschreibungssimulation
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore
» Informationen zur Studie "Solarenergie in Chile"



MEHR INFORMATIONEN HIER

Film ab! Energiewende in 25 Sek.
Was würde Goethe
zur Energiewende sagen?

Mit dieser Frage startet bizz energy einen Aufruf, originelle Kurzvideos zu
aktuellen Themen der Energiewende zu drehen.

MEHR INFORMATIONEN HIER

 
 

bizz energy Veranstaltungen