Messe Husum Wind 2017
15.09.2017

Die Windbranche leckt ihre Wunden

Foto: Husum Wind
Messebesucher und -aussteller auf der Husum Wind 2017

Sind die fetten Jahre vorbei? Die Windenergiebranche stand auf ihrer Messe Husum Wind noch deutlich unter dem Schock des verschärften Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Die Windenergie-Leitmesse für den deutschen Markt hatte diese Woche regen Besucherzulauf, mit rund 700 Ausstellern waren ihre Hallen ausgelastet. Doch die Stimmung war deutlich getrübt. Grund waren die beiden ersten Ausschreibungsrunden gemäß dem seit Jahresbeginn gültigen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Darin hatten vor allem Bürgerwindparks mit ungewissen Realisierungschancen Zuschläge erhalten. (Lesen Sie auch: Bürgerwindparks dominieren zweite Onshore-Ausschreibung) 

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„Das Stimmungsspektrum reicht von leichter Panik bis zu völliger Gelassenheit“, sagte Andreas von Bobart, Geschäftsführer von GE Wind Energy Deutschland, im Gespräch mit bizz energy. „Einige reden von Krise.“ Unverkennbar sei: „Es besteht enormer Kostendruck. Und er nimmt in einer Geschwindigkeit zu, die es so in der Branche nicht gab.“

"Man muss viel wettbewerbsfähiger sein"

Hauptursache dieses Trends ist nach einhelliger Meinung die Auftragsdelle, die aus der Dominanz von Bürgerwindgesellschaften in den beiden ersten Windpark-Ausschreibungen 2017 und voraussichtlich auch der dritten Anfang November resultieren könnte. Bürgerwindgesellschaften unterliegen deutlich milderen Umsetzungsvorgaben als reguläre Projektgesellschaften. Sie haben beispielsweise 54 Monate statt 30 Monate Zeit, die ihnen zugeschlagenen Windparks zu errichten. Die Hersteller klagen, dies nehme ihnen Planungs- und Investitionssicherheit.

„Die Intention hinter dem neuen Auktionssystem ist OK, aber die Stärke der Bürgerwindparks war auch für uns eine Überraschung“, sagte Nils de Baar, Zentraleuropa-Chef des dänischen Anlagenbauers und Onshore-Weltmarktführers Vestas im Gespräch mit bizz energy. De Baar stellt sich darauf ein, dass viele Aufträge verschoben und möglicherweise gar nicht realisiert werden. Folge für die Hersteller sei: „Man muss viel wettbewerbsfähiger sein, um erfolgreich zu sein.“

"Jeder Stein wird umgedreht"

GE-Manager von Bobart rechnet mit teils schmerzhaften Konsequenzen für die Branche: „Alle müssen reagieren. Jetzt wird jeder Stein umgedreht, um Geld zu sparen.“ Eine Konsequenz aus seiner Sicht: Übernahmen und Fusionen, „und zwar in der gesamten Wertschöpfungskette.“ (Lesen Sie auch: Siemens Gamesa geht in der Türkei aufs Ganze)

Einige Hersteller, darunter Senvion und Nordex, haben bereits angekündigt, hunderte Stellen zu streichen. Der Turmbauer Max Bögl weicht auf Kurzarbeit aus. Von Bobart sagt, bei der GE Wind Energy GmbH im niedersächsischen Salzbergen führe man „Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über Kostenanpassungen.“ Vestas-Zentraleuropa-Chef de Baar indes sieht für sein Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit keinen Druck zum Stellenabbau.

"Wir müssen kämpfen"

Die Unternehmen und ihre Verbände wollen sich mit den erschwerten EEG-Bedingungen nicht abfinden. Zwar werden Bürgerwindgesellschaften im Gegensatz zu heute zumindest für die ersten beiden Ausschreibungen im kommenden Jahr Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz als Zulassungsvoraussetzung liefern müssen.

Doch viele in der Branche sehen die Gefahr damit nicht gebannt. „Wir müssen dafür kämpfen, dass sich das 2018 dauerhaft ändert“, sagte Felix Rehwald, Sprecher des Anlagenherstellers Enercon, auf der Husum Wind. Außerdem müsse das Ausschreibungsvolumen deutlich erhöht werden. Ähnlich äußerte sich Nordex-Sprecher Felix Losada: Beim EEG müsse der „Fehler im System so schnell wie möglich behoben werden.“

Christian Schaudwet
Keywords:
Husum Wind | Windenergie | Onshore | Windenergiemesse | GE Wind | Vestas | Nordex | Senvion
Ressorts:
Governance | Markets

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