Erneuerbare Energien
08.11.2017

Deutsche Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen für Puerto Rico

Foto: Arensis/Entrade
Arensis- und Entrade-Chef Julien Uhlig mit Treibstoffen für seine Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.

Der Selfmade-Unternehmer Julien Uhlig hilft der zerstörten Insel, ihre Stromversorgung mit Biomasse-Kraftwerken wieder herzustellen. Mit seinen Firmen Arensis und Entrade sieht er das größte Potenzial in Schwellenländern.

Elon Musk und Julien Uhlig haben etwas gemeinsam: Sie helfen Puerto Rico dabei, seine Energieversorgung wiederherzustellen. Die Insel leidet weiterhin unter den Folgen des Hurrikans Maria, große Teile der Bevölkerung sind noch immer ohne Strom. Während der US-Gründerstar auf Solaranlagen und Batterien setzt, spendiert der deutsche Chef der Firmen Arensis und Entrade eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (KWK).

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Sie versorgt in Fajardo, einem abgelegenen Ort im Osten von Puerto Rico, ein Camp für obdachlos gewordene Menschen mit Strom und Wärme. Befeuert wird sie mit Teilen von umgestürzten Bäumen und Holztrümmern, die der Sturm zurückgelassen hat. „Es wird die erste Anlage auf der Insel sein, die nicht mit schmutzigem und teuer importiertem Diesel betrieben wird“, sagt Julien Uhlig im Gespräch mit bizz energy. 

Produktion in Sachsen 

Uhlig war zuletzt mehr als sieben Monate lang rund um den Globus unterwegs, um für die Biomasse-Kraftwerke von Entrade zu werben, das den Hauptsitz in Düsseldorf hat. Hergestellt im sächsischen Crimmitschau, liefert das Modell „E4“ 50 Kilowatt elektrische und 120 Kilowatt thermische Energie. Den Strom daraus verkauft Uhlig über sein zweites Unternehmen Arensis mit Sitz in Los Angeles, das sich um Projektfinanzierung, Umsetzung und Steuerung kümmert – inklusive Überwachungssoftware und App.

Arensis ist mit Niederlassungen unter anderem in Los Angeles, in Liverpool und auf Bali vertreten. Die Anlagen produzieren aus fast jedem beliebigen Reststoff Strom, Wärme und   Kälte: Aus Walnussschalen etwa, aus Resten aus der Möbelproduktion oder Catering-Abfällen von Airlines. Lufthansa Technik etwa zählt zu den Kunden und stabilisiert die Stromversorgung seiner Anlagen am Flughafen von Puerto Rico mit Biomasse-Kraftwerken von Entrade und Arensis. 

Klärschlamm und Hausmüll funktionieren nicht

14 Arensis-Mitarbeiter nehmen in einem Labor im österreichischen Graz die Abfälle potenzieller Kunden unter die Lupe, 160 verschiedene Abfallströme haben sie bereits untersucht. Mal ist das Material in Reinform zur Energiegewinnung geeignet, mal nur als Beimischung. „Jeder Abfallstoff ist anders: von der Konsistenz her, von seinem Verhalten als Brennstoff und dem Brennwert“, sagt Uhlig. An seine Grenzen gerate das Verfahren bei Abfällen, die zuvor schon energetisch genutzt wurden: Klärschlamm zum Beispiel. Und auch Hausmüll wird auf absehbare Zeit nicht zu verwerten sein, sagt Uhlig.

Arensis verschifft seine Kraftwerke so, dass sie in nur anderthalb Stunden angeschlossen werden und Strom liefern können. Am erfolgreichsten ist Arensis momentan in Großbritannien, wo das Unternehmen zwei Hackschnitzelanlagen besitzt. Die größten Zukunftsmärkte sieht Uhlig jedoch in Ländern wie Indonesien oder den Philippinen.

Dort will er Gemeinden dabei helfen, ihren Strom dezentral zu erzeugen – vor allem mit nachwachsenden Rohstoffen, die sonst teuer entsorgt werden müssten oder auf Müllkippen landen würden. Zum Beispiel Bambus oder Reste aus der Palmöl-Produktion. Die Anlagen sind zu einer Kapazität von bis zu zwei Megawatt kombinierbar. Außerdem ergänzt Arensis seine KWK-Anlagen mit Solarpanels, Batterien oder anderen Energieträgern, um eine komplette Energieversorgung per Microgrid aufzubauen. Mitunter kommen dabei aber auch Dieselgeneratoren zum Einsatz, räumt Uhlig ein. 

Ausgebildeter Opernsänger

Der Unternehmer blickt auf eine bewegte Karriere zurück: Zunächst machte er eine Ausbildung zum Opernsänger, danach arbeitete er als Berater für die US-Großbank Lehman Brothers. Später war er im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums als Manager für Energieprojekte an der technischen Hochschule RWTH Aachen tätig. In dieser Zeit entstand auch die Idee zu Entrade, das er 2009 gründete. Anfang dieses Jahres kam dann Arensis dazu. Das erste serienreife Biomasse-Kraftwerk präsentierte Uhlig vor zwei Jahren auf der Hannover-Messe. Seither ist das Unternehmen kräftig gewachsen: 210 Anlagen hat es bis heute gebaut, die Zahl der Mitarbeiter stieg von acht auf mehr als 160.

In Deutschland macht Arensis momentan kaum Geschäfte, weil Biomasse und -gas aufgrund der Teller-oder-Tank-Diskussion an Relevanz verloren hat. „Dabei haben wir noch nie irgendwas umgewandelt, das auch auf dem Teller hätte landen können“, sagt Uhlig. Er glaubt, dass seine KWK-Anlagen nicht nur auf den Philippinen oder in Indonesien bei der Grünstromproduktion helfen, sondern auch die Energiewende in Deutschland anschieben könnten. „Unsere Biomasse-Kraftwerke haben einen Wirkungsgrad von über 80 Prozent, und es gibt keine Netzverluste.“ Bei einem Großkraftwerk ohne Wärmeabnahme hingegen reduziere sich der Wirkungsgrad bis zum Endkunden auf 18 Prozent, sagt Uhlig. Befeuert werden könnten seine Biomasse-Kraftwerke hierzulande mit Restholz, das zunehmend in der Forstwirtschaft anfalle.

Weitere 30 Anlagen für Puerto Rico

In Puerto Rico könnten die KWK-Anlagen langfristig mit Palmkernschalen „betankt“ werden.  Uhlig will dort – in Kooperation mit Lufthansa Technik und Schneider Electric – beim Aufbau einer dauerhaften erneuerbaren Energieversorgung helfen. Zu diesem Zweck hat er mit dem Bürgermeister von Fajardo die Lieferung von weiteren 30 Anlagen vereinbart, die über Partnerschaften und Spendeninitiativen finanziert werden. Mit dem Betrieb der Kraftwerke, die zu einem Microgrid verbunden werden sollen, würden zudem lokale Arbeitsplätze entstehen, sagt Uhlig. Puerto Ricos Regierung arbeitet mit Hochdruck daran, die Energieversorgung wiederherzustellen: Bis Dezember sollen 90 Prozent der Insel am Netz sein.

Jutta Maier
Keywords:
Biomasse | Kraft-Wärme-Kopplung | erneuerbare Energien
Ressorts:
Technology | Markets

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