Blockchain
07.09.2017

Die Bitcoin-Blase wächst

iStock/PaulPaladin

Die Blockchain-Technik bietet enormes Potential – birgt aber auch hohe Risiken. Sie beruht auf Kryptowährungen wie Bitcoin, für die sich die Anzeichen eines bevorstehenden Crashs mehren.

Die Blockchain gilt als Zukunftstechnik. Sie macht aber ohne Kryptowährungen wie Bitcoin keinen Sinn, darüber sind sich die Branchenexperten einig. So sagt Tobias Federico vom Berliner Analysehaus Energy Brainpool im Gespräch mit bizz energy: "Ohne Kryptowährungen brauche ich keine Blockchain". Direkte Verfügbarkeit und niedrige Transaktionskosten nennt Federico als Vorteile von Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether oder Iota gegenüber anderen Online-Bezahlsystemen wie beispielsweise Paypal.

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Auf der anderen Seite lauern Nachteile wie enorme Wertschwankungen und hohe Umtauschrisiken. Wer Bitcoins nicht mag, wird die Blockchain-Technik kaum akzeptieren. "Akzeptanz passiert nicht in der Energiebranche, sondern im privaten Umfeld", erläutert Federico. "Man muss mit Bitcoins auch seinen Kaffee kaufen können".

Chinesen provozieren Absturz

Aber wie soll man einer Währung vertrauen, die täglichen Preisschwankungen von zehn Prozent und mehr unterliegt? Lange schien der Hype um die Kryptowährungen keine Grenze zu kennen. Noch Anfang September erreichte der Kurs für Bitcoin, die wie andere Kryptowährungen auf zahlreichen Internet-Marktplätzen gehandelt wird, ein neues Allzeithoch von mehr als 4000 Euro. An der Frankfurter Börse können Bitcoins nicht gehandelt werden. Medienberichte, wonach die Börse in Moskau Kryptowährungen in ihr Sortiment aufnehmen will, wurden dementiert.

Hinzu kommt, dass die chinesische Regierung die Kapitalbeschaffung mit Hilfe von Kryptowährungen, sogenannte Initial Coin Offerings (ICO), verboten und den Handel mit Bitcoin und Co. stark eingeschränkt hat. Sie versucht, die staatliche Kontrolle in diesem Segment zurück zu gewinnen. Damit löste sie sofort einen vorübergehenden Preissturz bei den Kryptowährungen von bis zu 30 Prozent aus.

Blockchain bleibt Schlüsseltechnologie

Branchenexperten warnen vor Exzessen. "Im Moment gibt es viel Spekulation – die Kryptowährungen sind in einer Blase", warnt Dominik Schiener, Mitgründer der Kryptowährung Iota. "Die Frage ist nur, ob wir uns am Anfang oder am Ende der Blase befinden". Investieren sollte man jedenfalls nur, was man auch komplett verlieren könne, riet Schiener den Teilnehmern des "Blockchain-Tags" diese Woche in der Berliner Konzernzentrale von Vattenfall.

Vattenfall-Manager Kilian Leykam hält die Blockchain dennoch für "die wichtigste Schlüsseltechnologie für die Energiewende". Schließlich ermöglicht sie direkte Transaktionen ohne Zwischenhändler und eignet sich optimal für das Einbinden zahlreicher dezentraler Erzeuger. Gleichzeitig haben wir "mit Bitcoin zum ersten Mal eine globale Währung", sagt Solarpraxis-Chef Karl-Heinz Remmers, Veranstalter des Blockchain-Tags.

Ein Crash muss auch nicht das Ende einer Entwicklung bedeuten, wie die Geschichte zeigt: Die Internetwirtschaft musste erst das Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 erleben, ehe sie sich mit dem Entstehen von Unternehmen wie Google und Facebook neu entwickeln konnte.

Carsten Kloth
Keywords:
Blockchain | Bitcoin | Kryptowährung
Ressorts:
Finance | Technology

Kommentare

Die Dotcom-Blase erreichte im Jahr 2000 einen Umfang von mehreren Billionen Dollar. Davon ist die Cryptowährungsblase noch ein gutes Stück entfernt. Noch ist der Anteil der Personen, die in diesen Sektor investiert haben, verschwindend gering. Bei Ausbleiben von katastrophalen Ereignissen wie einem plötzlichen Durchbruch im Bereich Quantencomputer, dem Ausbruch des Dritten Weltrieges oder einem weltweiten radikalen Verbot sämtlicher Cryptowährungen wird sich der bisherige Trend m. E. n. bis auf weiteres fortsetzen: Geld fliesst aus den ungedeckten, durch Quantitative Easing unterminierten fiat-Währungen in Blockchain-Lösungen. Offen ist freilich, welche Konzepte bzw. Coins sich durchsetzen. Die Cryptowährungen können heute auf der ihnen zugrunde liegenden Infrastruktur des Intranets aufbauen, weshab die Marktdurchdringung und damit verbundene disruptive Effekte auf das traditionelle Finanzsystem und seine Institutionen sehr rasch erfolgen dürften. Der Markt ist höchst dynamisch, unreguliert und reagiert blitzschnell auf veränderte Umstände. Geschützte Werkstätten gibt es keine. Eine jahrelange Baisse im gesamten Cryptowährungssektor nach einem Crash ist aus meiner bescheidenen Laiensicht auch aus diesem Grund unwahrscheinlich. Allerdings ist gut vorstellbar, dass sobald Bitcoin oder eine andere der wichtigsten Cryptowährungen eine bestimmte Alltagstauglichkeit erreicht hat, aufgrund von Netzwerkeffekten bei zahlreichen kleineren Projekten irgendwann abrupt die Lichter ausgehen.

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