Windmarkt China
07.07.2016

Chinas Windboom erreicht Grenzen

Foto: flick/Land Rover Our Planet
Die Mulan Wind Farm in der chinesischen Provinz Heilongiang war eine der ersten überhaupt.

Auch im Reich der Mitte definieren Experten jetzt den Ausbau der Stromnetze als Achillesferse der Energiewende.

 

Anzeige*

China ist in überraschend kurzer Zeit zur Windenergie-Großmacht geworden – doch gerade der schnelle Ausbau scheint nun Probleme zu bereiten. Den Versorgern gelingt es nur zu einem kleinen Teil, den Strom ins Netz zu übernehmen. Inzwischen sorgen sie sich sogar um die Qualität der Turbinen, da die Anbieter kaum mit den Lieferungen für neue Parks hinterherkommen.

Offiziellen Zahlen zufolge hat China im ersten Quartal 5,33 Gigawatt (GW) an Windleistung hinzugefügt und kommt damit nun auf 134 GW. Damit liegt das fernöstliche Land mit Abstand an der Weltspitze. In Deutschland erreicht die installierte Leistung gut 45 GW.

Die zuständige Behörde in Peking weist jedoch darauf hin, dass die Auslastung der Windparks trotz des raschen Ausbaus sogar in absoluten Zahlen sinkt. Die Parks hätten im ersten Quartal knapp zwanzig Terawattstunden mehr Strom erzeugen können, als die Versorger zu den betreffenden Zeiten abzunehmen bereit waren, teilte die National Energy Administration (NEA) mit. Die Windenergie-Verschwendung ist damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 80 Prozent gestiegen. 

 

80 Prozent mehr Überschuss-Windstrom als im Vorjahr

Auch andere Windenergie-Nationen kennen das Problem der mangelnden Koordination von Angebot und Nachfrage – sie liegt nach bisherigem Stand der Technik in der Natur der Erneuerbaren. Doch in China verläuft die Entwicklung – wie so oft – nicht nur besonders rasch, sondern auch besonders unausgeglichen.

Der Hintergrund: Die kommunistische Führung treibt derzeit konsequent Chinas Energiewende voran. Kohle hat sich als zu schmutzig erwiesen, um nachhaltig zu sein: Die Bewohner der Städte ächzen im Smog. Dazu kommt eine Verpflichtung zur Senkung des Kohlendioxidausstoßes pro erbrachter Einheit der Wirtschaftsleistung. Die Regierung fördert Sonne, Wind und Wasser andererseits nach Kräften.

Im vergangenen Jahr hat Peking mit 103 Milliarden Dollar ein Drittel der weltweiten Windkraft-Investitionen gestemmt. China kommt damit auf Platz eins vor den USA und Deutschland. Das Geld ist in China jedoch zum größten Teil in die Aufstellung immer weiterer Windmühlen geflossen. Dabei ist der Anschluss an die Netze zu kurz gekommen, urteilen Forscher der US-Hochschule Harvard und der chinesischen Tsinghua-Universität in einer neuen Studie.

 

Netzausbau hinkt hinterher

Die Wissenschaftler haben noch weitere Ursachen für die steigende Windverschwendung ausgemacht. Viele Energiefirmen bevorzugen heimlich Kohlestrom, weil sie ihre Kraftwerke auslasten wollen und das gleichmäßige Angebot einfacher zu handhaben ist. Außerdem sei die Ausrüstung nicht auf dem neuesten technischen Stand.

Im Ergebnis sind in China nun zweimal mehr Leistung angeschlossen als in den USA – doch das Land nutzt nur halb so viel Windstrom. Die Forscher, der Harvard-Experte Michael McEvoy und Xi Lu von der Tsinghua-Universität, sehen jedoch weiterhin eine erfolgreiche Zukunft für Windkraft in China.

In einer früheren Studie aus dem Jahr 2009 haben sie bereits vorhergesagt, dass Windenergie alleine im Prinzip den kompletten chinesischen Strombedarf decken kann ­– wenn sie richtig eingesetzt wird. Voraussetzung sei vor allem, die windreichen Regionen im Nordwesten des Landes an die Wirtschaftszentren im Osten anzubinden. Hier sei bisher nicht genug geschehen, kritisieren die Experten.

 

Rendite spielt kaum eine Rolle

Das Vorgehen Chinas ist jedoch gar nicht ungewöhnlich. In vielen Bereichen verläuft das Wachstum dort schlecht ausbalanciert. Die Hoffnung ist stets, dass die weitere Entwicklung den Ausgleich bringt. Da Peking fest an den Windausbau glaubt, macht es demzufolge nichts, wenn ein Teil der Infrastruktur früher fertig wird – in diesem Fall die Generatoren. Die Netze können immer noch nachziehen. Dass die Rendite dadurch erst einmal schlecht aussieht, spielt keine so große Rolle. Die Versorger sind allesamt Staatsbetriebe.

Finn Mayer-Kuckuk
Keywords:
China | Windstrom | Netzausbau | Rendite | Windenergie | erneuerbare Energien | Peking
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 14.12. am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research