Exchange Traded Funds
15.05.2017

Brücken in die Börsenwelt

Foto: istockphotos/nicoolay

Exchange Traded Funds (ETFs) sind bei Kleinanlegern wie Großinvestoren beliebt. Bei erneuerbaren Energien geht das Angebot allerdings zurück. bizz energy nimmt die Fonds unter die Lupe.

Und Schluss: Im März zog die Fondsgesellschaft Powershares die Reißleine und löste den Exchange Traded Fund (ETF) Global Clean Energy auf. Rund 8,5 Millionen Euro betrug der Gesamtwert des Portfolios. Zu wenig, entschied die Kapitalanlagegesellschaft. Bereits 2012 war ETFSecurities für sein Konkurrenzprodukt zum gleichen Schluss gekommen und hatte den Fonds abgewickelt. Das Thema erneuerbare Energien hatte in beiden Fällen nicht genügend Anleger gelockt.

Anzeige*

Damit sind gerade mal zwei ETFs für erneuerbare Energien übrig. Das ist überraschend wenig, gelten ETFs ansonsten doch insbesondere bei institutionellen Investoren, Family Offices und ähnlichen als beliebt und werden oft der von hochbezahlten Fondsmanagern aktiv verwalteten Konkurrenz vorgezogen. Bei erneuerbaren Energien ist das nicht der Fall. Allerdings ist das Thema insgesamt bei Fondsinvestoren derzeit nicht mehr so angesagt wie noch vor ein paar Jahren.
Immerhin behaupten sich der ETF Global Clean Energy von ishares (Volumen 105 Millionen Euro) und der New Energy ETF von Lyxor (Volumen 45 Millionen Euro) hierzulande auf dem Markt.

Und global betrachtet sind ETFs weiterhin im Kommen. Auf fast 3,7 Billionen US-Dollar belief sich Ende Februar das Vermögen, das weltweit in derartigen Fonds steckte. Diesen Wert hat das Analysehaus ETFGI ermittelt; es ist das höchste Volumen, das diese Produkte bislang erreichten. Auch hierzulande etablieren sich ETFs immer stärker. Ihr Anteil an Publikumsfonds liegt gemäß der aktuellen Statistik des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) in Deutschland bei zwölf Prozent.

Wilderhill-Index als Maßstab

Allerdings hinken die ETFs aus dem Bereich erneuerbare Energien weit hinterher. Ihr Anteil an den Erneuerbare-Energien-Fonds beträgt nicht einmal zehn Prozent. Dabei eignen sich Themen-ETFs generell gut als Satelliten bei einer Core-Satellite-Strategie. Mit dem Kern des Portfolios bilden die Vermögensverwalter den breiten Markt ab. Satelliten sollen dann eine zusätzliche Rendite generieren. Mit ihnen erhöhen die Verwalter beispielsweise den Anteil bestimmter Länder und Regionen. Oder sie treiben das Gewicht einzelner Branchen im Portfolio nach oben, zum Beispiel Robotik, Medizintechnik, Automobile – oder eben erneuerbare Energien.

Dass die aktuell kaum nachgefragt werden, gibt Rätsel auf. Denn Anleger verzichten damit auf echte Renditebringer. „Mit dem Powershares-ETF wird spannenderweise der mit dem besten Track-Record dichtgemacht“, sagt Kai Hattwich, Portfolio-Manager bei der Quirin Privatbank.
Tatsächlich hatte sich der ETF auf einen prominenten Index bezogen, den Wilderhill New Energy Global Innovation Index. Im Gegensatz zu den Basis-Indizes der beiden übriggebliebenen ETFs wird der Wilderhill-Index als Maß für die Qualität der Fondsmanager aktiver Erneuerbare-Energien-Fonds herangezogen. „Der Index ist häufiger als Benchmark von aktiv verwalteten Fonds zu finden“, erläutert Ali Marsawah, leitender Forscher beim Analysedienst Morningstar Europa.

Renewables sind laut Masarwah für Fonds „insgesamt ein Nischenthema“, mit „bescheidener Nachfrage“ in den vergangenen Jahren. So gibt es derzeit in Europa gerade einmal 30 Produkte, die zusammen nur auf ein verwaltetes Vermögen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro kommen.
Erschwerend kommt hinzu: Die aktiv verwalteten Fonds haben in den vergangenen Jahren im Bereich erneuerbare Energien ein besseres Rendite-Risiko-Profil aufgewiesen als die passiv verwalteten, wie Morningstar ermittelte. Besonders schwach habe in den vergangenen Jahren das größte Produkt abgeschnitten, der iShares Global Clean Energy. Fondsforscher Masarwah hat ihn sich genauer angeschaut und sieht systematische Gründe beim Basis-Index: Mehr als 50 Prozent des Gewichts entfällt auf Versorger, gut 40 Prozent des Portfolios bilden Unternehmen aus Schwellenländern in Asien und Lateinamerika.“ Dabei wird der ETF von ishares überwiegend von professionellen Anlegern gekauft.

Anders ist das bei der Konkurrenz von Lyxor. „Von den aktuell verfügbaren Produkten verfügt gegenwärtig nur der iShares-ETF über genug Volumen, um institutionelle Anleger anzulocken“, erläutert Quirin-Manager Hattwich. Die 45 Millionen Euro Anlegergelder im Lyxor-Fonds klingen zwar nicht schlecht, sind aber zu wenig. Hattwich sieht aber auch systematische Probleme beim Thema Erneuerbare-Energien-ETFs. Das mögliche Anlageuniversum ist beschränkt. Nur wenige Unternehmen sind groß genug, um in Indizes aufgenommen zu werden. Ist ihre Marktkapitalisierung zu gering, besteht die Gefahr, dass der Fonds durch seine Käufe die Kurse bewegt. Und das darf nicht passieren. Mit dem ETF von ishares setzen Investoren auf 29 Unternehmen, bei Lyxor besteht der Index aus 20 Aktien. „Verglichen mit  anderen Indexinvestments sind diese ETFs kaum diversifiziert“, urteilt Hattwich.

Politische und technologische Risiken

Dazu kommt, dass die Indexkomponenten nicht einfach ausgetauscht werden können, wenn der Kurs einer Aktie abrutscht. Im Vergleich können aktiv agierende Fondsmanager viel schneller reagieren und Verlustbringer rechtzeitig aus dem Portfolio werfen.
Gerade professionelle Investoren agieren eher vorsichtig an den Märkten. Da hätten es erneuerbare Energien schwer, argumentiert Hattwich, „zumal der Sektor hochgradig politisch ist“. Ohne staatliche Fördermaßnahmen liefe in vielen Ländern nichts. Die Energiewende, wie sie in Deutschland umgesetzt wird, habe bislang zu wenige Nachahmer gefunden.

Dazu gebe es noch ein technologisches Risiko: „Die zukünftige Konkurenzfähigkeit erneuerbarer Energien hängt an einigen wenigen Schlüsseltechnologien.“ Die sind in den Indizes vertreten, und wenn eine gerade schlecht läuft, trifft es den ganzen ETF. Banker Hattwich hat die Kurse über einen langen Zeitraum verglichen. Der Index, auf dem der Lyxor-ETF beruht, liegt demnach mit dem breiten, globalen, alle Branchen abdeckenden MSCI-World-Energy-Index gegenüber 2003 ungefähr gleich auf. „Allerdings schwankt der MSCI-Index weniger stark und der maximale Verlust fällt auch geringer aus“, sagt Hattwich. Erklären kann er das unter anderem damit, dass der MSCI-Index diversifizierter ist und die Aktien vieler großer Energiekonzerne enthält. Für Investoren heißt das: Haben sie auf alle Spielarten der Energiegewinnung gesetzt, haben sie die gleiche Rendite erzielt wie mit ausschließlich erneuerbaren Energien, bloß bei deutlich geringerem Risiko.

Anderseits hätten die Anlagevehikel in einem anderen Gesamtumfeld sicherlich besser performt. Als die Exchange Traded Funds 2007 erstmals aufgelegt wurden, steuerten die Börsen gerade auf die Finanzkrise zu, die im Jahr darauf mit der Pleite der New Yorker Investmentbank Lehman Brothers ihren traurigen Höhepunkt erreichte. Damit nicht genug: In den Folgejahren war Marktbereinigung im Erneuerbare-Energien-Sektor angesagt.

So enthielt der S&P Global Clean Energy Index, auf den sich der ishares-ETF bezieht, zum Start des ETF Namen wie Conergy, Ersol, Energy Conversion Devices, Evergreen Solar und MEMC. Ersol gehört mittlerweile zum Bosch-Konzern und heißt Bosch Solar Energy. MEMC wurde zu Sunedison und ist nicht mehr im Index vertreten. Conergy, Evergreen Solar und Energy Conversion Devices traf die Bereinigung des Sektors mit voller Wucht. Sie stellten im Laufe der Jahre jeweils einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Immerhin, beim S&P Global Clean Energy Index ist die Zuordnung der Komponenten zum Sektor erneuerbare Energien eindeutig. Beim Lyxor-Produkt sieht das anders aus: Der zugrunde liegende Index enthält Unternehmen, bei denen Anleger schon mal stutzig werden. Samsung sorgte in den vergangenen Monaten eher durch explodierende Mobiltelefone für Schlagzeilen als durch saubere Stromerzeugung. Der französische Elektronikriese Schneider Electric produziert unter anderem Automatisierungen für den Start von Raketen von U-Booten aus. STMicroelectronics ist ein Spezialist für Halbleiter. Die Aktivitäten dieser Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien haben eher Nischencharakter.

Steuerberater helfen

Der Lyxor-ETF deckt zudem das Thema inhaltlich anders ab als das Produkt von ishares. Auch in der Herangehensweise unterscheiden sich die beiden Produkte. Bei ishares werden vom Geld der Investoren tatsächlich die Aktien aus dem Index gemäß der jeweiligen Anteile daran gekauft; im Fachjargon heißt dieses Verfahren „physische Replikation“.

Lyxor hingegen verwendet die synthetische Replikation, was bedeutet: Die Fondsgesellschaft kauft Aktien von Unternehmen, die oft nichts mit dem Thema erneuerbare Energien zu tun haben. Deren Performance tauscht Lyxor bei einem Partner gegen die Performance des Index. Für welchen Ansatz sich Investoren entscheiden, hat letztlich auch steuerliche Gründe. Denn die Fonds generieren unterschiedliche Ertragsarten. Wer in seiner Anlagestrategie erneuerbaren Energien mehr Gewicht einräumen will, kann das mit einem der beiden ETF machen. Je nach Expertise könnte es aber sinnvoller sein, selbst Aktien auszuwählen – oder diese Arbeit einem guten, aktiv verwaltenden Fondsmanager zu überlassen.

Jochen Bettzieche
Keywords:
ETFs | Anleger | Börse | Erneuernare Energien Fonds
Ressorts:
Finance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports.


Aktuelle Angebote:
» Jetzt anmelden zur 3. Runde unserer Ausschreibungssimulation Wind Onshore
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore


MEHR INFORMATIONEN HIER

 
 

bizz energy Veranstaltungen