Logistik
09.02.2017

Brennstoffzellen für die Post

Foto: istockphoto/joel-t
Der Toyota Mirai war der erste serienmäßig produzierte Pkw mit Brennstoffzelle.

Wasserstoff statt Diesel soll die Stadtlogistik sauberer machen. Darauf drängt ein Wissenschaftler aus Baden-Württemberg. Ein drohendes Dieselfahrverbot in den Städten setzt die Branche unter Druck.

Um eine schnelle Luftverbesserung in den Städten zu erreichen, setzt Werner Tillmetz auf die Brennstoffzelle. Der Professor forscht seit Jahren am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart zu emissionsarmen Antrieben.

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„Brennstoffzellen haben eine hohe Leistung, die Fahrzeuge sehr schnell mit Wasserstoff betankt und dadurch sehr flexibel einsetzbar. Zustellfahrzeuge sind immerhin oft rund um die Uhr unterwegs.“ Im Gegensatz dazu schneiden Batterien laut Tillmetz schlecht ab. „Sie haben eine geringe elektrische Reichweite, der Tankvorgang dauert mitunter Stunden.“

Zudem punkte die Brennstoffzelle mit Blick auf die Energiewende. Wasserstoff könnte für die schwankende Erzeugung von Sonnen- und Windstrom eine Schlüsselrolle spielen. Durch die Umwandlung von Ökostrom in das „grüne Gas“ Wasserstoff, lässt sich zeitweise überschüssiger Ökostrom einfach in großen Mengen und über einen langen Zeitraum speichern. Darauf weist auch Soziologe Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin hin.

Mit den Megatrends Same-Day-Delivery und Online-Versandhandel steigt das Verkehrsaufkommen in den Städten. Die Lieferfahrzeuge sind überwiegend Diesel betrieben –  und pusten immer mehr gesundheitsschädliche Abgase in die Luft.

Doch die Branche steht zunehmend unter Druck. Mitte des Jahres könnte ein Dieselfahrverbot in den Innenstädten drohen. Dann entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Bekommt die DUH Recht, könnten die Bundesländer und Kommunen weitrechende Dieselfahrverbote verhängen.

Eigeninitiative gefragt

Seitdem Gerüchte über ein mögliches Diesel-Fahrverbot kursieren, geht unter Handwerksbetrieben und Lieferdiensten die Angst um. Sie fürchten, dass ihre Dieselautos dann aus den Stadtzentren verbannt werden. Das würde das Aus für ihr Geschäft bedeuten.

Zwar versprach Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), für Handwerker und Lieferdienste solle es Ausnahmen geben. Dennoch: Um die Luft in den Städten dauerhaft zu verbessern, müssen auch Klemptner und die Post auf emissionsfreie Fahrzeuge umstellen.

Allerdings sind die bislang Mangelware. Die deutschen Nutzfahrzeuge-Hersteller haben den E-Mobilitätstrend verschlafen. Einige Unternehmen nehmen die Entwicklung batteriebetriebener Fahrzeuge deshalb selbst in die Hand. So hat die deutsche Post vor aus der RHTW Aachen hervorgegangene Start-up Street Scooter gekauft. Mit dem für die Zustellung gebauten Fahrzeug liefert der gelbe Riese nun in einer Reihe deutscher Städte seine Pakete aus. In Frankreich entwickelt das Startup Symybio FCell einen Kleintransporter mit Elektroantrieb. Das Unternehmen rüstet einen Renault Kangoo mit Brennstoffzelle aus. 

Eine weitere Initiative hat der Bäcker Roland Schüren aus Hilden gestartet. „Wir Bäcker brauchen Elektroautos als Transporter in der Sprinterklasse – und kein Automobilhersteller baut sie uns“, sagte Schüren dem Branchenmagazin electrive. Deswegen rief er kurzerhand eine Selbsthilfegruppe über das Soziale Netzwerk Facebook ins Leben. 168 Interessenten haben sich seitdem für das Bakery Vehicle One gemeldet. Jetzt können laut Schüren die Unterlagen zur Angebotsanforderung an gut 30 große und kleine Hersteller und Umbaufirmen erstellt werden.

 

Jana Kugoth
Keywords:
Elektromobilität | Logistik | Brennstoffzelle | ZSW | Batterie | Diesel
Ressorts:
Markets

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