Windenergie
04.07.2016

Beschränkungen für Windenergie in der Kritik

Foto: Pixabay
Ohne Strommasten keine sinnvolle Nutzung von Windenergie.

In Norddeutschland soll es nach dem Willen der Bundesregierung vorerst deutlich weniger neue Windräder geben. Viel zu pauschal fanden das mehrere Experten bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestages.

 

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Das Konzept der Bundesregierung für Netzausbaugebiete, in denen der Bau neuer Windkraftanlagen beschränkt wird, griffen mehrere Experten in Stellungnahmen für den Wirtschaftsausschuss des Bundestages scharf an. Im Übertragungsnetz werde der einzige nennenswerte Engpass noch in diesem Jahr reduziert, argumentiert Uwe Nestle vom Energieberatungsbüro Enklip. In den nächsten Monaten werde die Thüringer Strombrücke teilweise in Betrieb gehen, die über Thüringen den ebenfalls windreichen Osten Deutschlands mit Bayern verbinde.

Im Norden würden die meisten Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein abgeregelt. Dort werde die sogenannte Westküstenleistung allerdings für Entlastung sorgen. Die Bundesnetzagentur rechnet für 2021 mit der Fertigstellung.

Fraglich sei außerdem, ob die Kosten für Eingriffe in das Netz tatsächlich steigen werden, zuletzt seien die Kosten sogar zurückgegangen, sagte die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bei der Anhörung im Bundestag.

 

42 Prozent weniger Windleistung

Durch den stockenden Netzausbau müssen Windräder in Norddeutschland abgeregelt werden und konventionelle Kraftwerke ihre Erzeugung anpassen. Die Stromkunden mussten für solche netzstabilisierenden Maßnahmen 2015 nach Angaben der Bundesnetzagentur über eine Milliarde Euro zahlen. Die Behörde geht sogar davon aus, dass diese Kosten bis 2022 auf vier Milliarden Euro steigen werden.

Die Bundesregierung will deshalb den Bau neuer Windräder an Land deutlich einschränken. Bis zu 20 Prozent des Bundesgebietes sollen künftig als sogenannte Netzausbaugebiete ausgewiesen werden können, in denen maximal 58 Prozent der neuen Windleistung früherer Jahre zugebaut werden darf, so steht es im Entwurf der Bundesregierung für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Nach Medienberichten wäre die komplette Fläche der Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen betroffen.

 

Monopolkommission will entschädigungslose Abregelung

Das Unternehmen Arge Netz, das selbst viele Windkraftanlagen in Norddeutschland betreibt, plädierte dafür, das vorhandene Netz durch eine genauere Steuerung besser auszulasten. Die Netzbetreiber sollten außerdem verpflichtet werden, die Einspeisung von erneuerbaren Energien durch Echtzeitdaten genauer zu erfassen. Damit nicht überhöhte Prognosen zu unnötigen Abregelungen führten.

Das Konzept für Netzausbauregionen hält auch der Vorsitzende der Monopolkommission der Bundesregierung, Achim Wambach, für „sehr ungenau und unflexibel“. Der Mannheimer Ökonom plädiert dafür, dass neue Windkraftanlagen in Zeiten von Netzgenpässen gar keine EEG-Vergütung mehr bekommen sollen. Die Folge: Investoren würden in Regionen mit Netzengpässen keine Anlagen mehr bauen oder den Strom zur Speicherung oder für regionale Verbraucher vermarkten und so das Netz entlasten.

Manuel Berkel
Keywords:
Windenergie | Netzausbau | DIW | Arge Netz
Ressorts:

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