China
16.06.2016

Berlin und Peking wollen stärker kooperien

Foto: Wikipedia/Rscbelgium
Der Offshore-Windpark Meerwind in der Nordsee wird von Chinesen übernommen.

Abschlussdokument der 4. Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen betont Smart Grids und erneuerbare Energien.

 

Anzeige*

Wenn die Kanzlerin nach China reist, kommt meist eine ganze Reihe neuer Abkommen dabei heraus. Angela Merkel (CDU) und ihre Minister haben bei ihrem Besuch in Peking am 13. Juni besonders viele Projekte aus dem Bereich Energie angeschoben. Das schnell wachsende China, bevölkerungsreichstes Land und zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, entwickelt sich damit nach Einschätzung von Delegationsteilnehmern hier zum wichtigsten Partner Deutschlands.

Ein besonders auffälliges Geschäft war die Übernahme des Nordsee-Windparks „Meerwind“ durch die China Three Gorges Corporation für 630 Millionen Euro. Bei dem Käufer handelt es sich um den Betreiber der Kraftwerke am weltgrößten Staudamm, dem Drei-Schluchten-Damm am Fluss Yangzi. Das Staatsunternehmen ist mit Einkünften von neun Milliarden Euro einer der größten Anbieter von Strom aus erneuerbaren Quellen weltweit. 
Der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft von „Meerwind“, Jens Assheuer, war zur Unterzeichnung des Abkommens mit dem Chef von Three Gorges, Lu Chun, zu Wochenbeginn in Peking. Im Hintergrund des Raumes saßen – wie bei solchen Vertragsabschlüssen üblich – Merkel und ihr chinesischer Kollege Li Keqiang, um zu zeigen, dass sie dem Besitzerwechsel ihren Segen geben. Assheuer äußerte sich positiv zu der Übernahme durch das chinesische Unternehmen. Er sehe darin eine Chance, das Geschäft weltweit weiterzuentwickeln.
Verkäufer ist der US-Finanzinvestor Blackstone. In Peking war zu hören, dass ein Geldgeber aus der Branche wie Three Gorges als besserer Eigentümer gilt als ein Private-Equity-Firma. Chinesische Staatsfirmen denken langfristig – und als Betreiber zahlreicher massiver Wasser-, Wind- und Sonnenkraftwerke unter schwersten Bedingungen kennt sich das Management bestens mit der Materie aus.

 

China ist weltweit auf Einkaufstour 

Meerwind ist ein Kernprojekt der Energiewende. Es handelt sich um einen der ersten Windparks in der Nordsee und ist seit 2014 in Betrieb. Die Anlage liegt in der Nähe der Insel Helgoland. Auch wenn Offshore-Windenergie in Deutschland seit dem hoffnungsvollen Beginn dieser Projekte in die Diskussion geraten ist, bleibt der Einstieg für China interessant. Das Land nutzt derzeit seine Finanzkraft, um sich weltweit Anlagegüter aus dem Bereich Infrastruktur zu sichern. China mit seiner langen Küstenlinie baut zudem selbst derzeit die Windkraft im Meer zügig aus.

Auch andere Firmen kamen mit Vertragsabschlüssen zum Zuge. Die Firma Choren Industrietechnik darf eine Anlage zur Nutzung von Abgaswärme an einem Kraftwerk im Ökopark Qingdao im Wert von 100 Millionen Euro installieren. Bei den Regierungsgesprächen waren zudem Standards für Elektromobilität ein Thema. Auch eine Grundsatzerklärung durfte nicht fehlen: „Beide Seiten wollen die Zusammenarbeit in Bereichen wie Energiepolitikgestaltung und Energiegesetzgebung, erneuerbare Energien und Smart Grids weiter intensivieren“, versicherten sich Merkel und Li. 
Im Abschlussdokument der 4. Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen in Peking hat das Thema Energie sogar größeren Raum eingenommen als weltpolitische Themen wie der Territorialstreit im Südchinesischen Meer. Auf Arbeitsebene haben die verantwortlichen Staatssekretäre Fäden weitergesponnen, die sie bei früheren Besuchen aufgenommen haben.

 

IRENA will China-Forschung ausbauen

Die Bundesregierung begrüßt vor allem die immer weiter laufende Einbindung Chinas in internationale Strukturen. Unter der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien IRENA entsteht derzeit ein China-Zentrum für Energieforschung und internationale Energiekooperation. Die IRENA ist eine Regierungsorganisation mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Seit ihrer Gründung 2009 in Bonn versucht sie, die Nutzung von Wind, Sonne und anderen nachhaltigen Energiequellen zu fördern.

Für China hat die IRENA bereits das weltgrößte Potenzial für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen ausgemacht. Aufgrund der günstigen Ausgangslage des Landes sei eine Abdeckung von 40 Prozent der Stromversorgung aus alternativen Quellen möglich. Wetter, technischen Möglichen, Finanzkraft und politischer Durchsetzungsfähigkeit sprechen allesamt dafür. China ist daher prädestiniert für einen neuen Forschungsstandort der Organisation – und für eine weitergehende Kooperation mit dem anderen Ökoenergie-Champion Deutschland.

Finn Mayer-Kuckuk
Keywords:
China | Meerwind | Angela Merkel | Blackstone | China Three Gorges Corporation | erneuerbare Energien | Offshore | Elektromobilität
Ressorts:
Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 14.12. am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research