Unternehmen
17.03.2017

Atomausstieg macht erfinderisch

Foto: MVV
Firmenzentrale der MVV Energie AG in Mannheim

Der Energiekonzern EnBW sucht nach zusätzlichen Einnahmequellen, um den Rückbau seiner Kernkraftwerke zu finanzieren und erhöht seine Beteiligung am Konkurrenten MVV.

EnBW kündigte an, ein Aktienpaket in Höhe von 6,28 Prozent an der MVV Energie AG vom französischen Konzern Engie zu übernehmen. Mit den schon bestehenden Anteilen stocken die Karlsruher ihre Beteiligung damit auf 28,76 Prozent auf. Die Dividende der erworbenen Aktien solle dazu dienen, Pensionszahlungen und den Rückbau von Kernkraftwerken zu finanzieren, sagte eine Unternehmenssprecherin zu bizz energy. Die Dividende der MVV bezeichnete sie als „stabil und attraktiv“. Die Hauptversammlung des Mannheimer Versorgers hatte in der vorigen Woche eine Dividende von 90 Cent je Aktie für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr beschlossen. Gemessen am Schlusskurs entspricht das einer Dividendenrendite von 4,5 Prozent – angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten kein unattraktiver Wert.

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Wegen der Kosten für den Atomausstieg ist EnBW dringend auf neue Erlösmöglichkeiten angewiesen. Der Konzern muss nach eigenen Angaben 4,7 Milliarden Euro in den Atomfonds der Bundesregierung einzahlen.

Am 28. März wird das Unternehmen den Geschäftsbericht 2016 präsentieren. Im November hatte Finanzvorstand Thomas Kusterer bei der Vorlage der Zahlen für die ersten drei Quartale prognostiziert, dass das operative Ergebnis für das Gesamtjahr um fünf bis zehn Prozent sinken werde. Um die Erträge zu stabilisieren, hatte EnBW bereits 2015 Wertpapiere in großem Umfang verkauft. Mit dem Erwerb des Aktienpakets an der MVV versuchen die Karlsruher, ihr Polster in diesem Bereich wieder zu vergrößern.

Entlastung für steigende Schulden

Über den Kaufpreis machten die beteiligten Unternehmen keine Angaben, aber gemessen am Börsenwert hat das Paket einen Wert von etwa 93 Millionen Euro. Mit einem buchhalterischen Kniff will EnBW den Kauf dazu nutzen, die signifikant steigenden Schulden zumindest etwas zu drücken. Die Beteiligung ist dem Deckungsvermögen zugeordnet. Für gewöhnlich sind solche Vermögensposten insolvenzsicher, weil sie verpfändet oder an einen Treuhänder übertragen werden. Dadurch erhalten Unternehmen die Möglichkeit, sie in der Bilanz mit den Schulden zu verrechnen.

Mit dem Zukauf erreicht EnBW eine Sperrminorität und betonte aus diesem Anlass, dass es sich um eine reine Finanzbeteiligung handele. „Wir haben keine Absichten, im operativen Geschäft Einfluss zu nehmen“, stellte die Unternehmenssprecherin klar. Bei der Stadt Mannheim, die 50,1 Prozent an der MVV hält, wurde diese Ankündigung offensichtlich mit Erleichterung aufgenommen. „Für die unternehmerische Ausrichtung und das Verhältnis der Anteilseigner der MVV Energie hat diese Änderung, die noch unter Vorbehalt der fusionskontrollrechtlichen Freigabe durch die Kartellbehörden steht, keine Auswirkung“, sagte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD).

Manuel Berkel
Keywords:
EnBW | MVV Energie | Atomausstieg
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