USA
18.04.2017

Apple setzt auf selbstfahrende Autos

Foto: iphonedigital

Apple hat in Kalifornien eine Genehmigung zum Testen autonomer Fahrzeuge bekommen. Auto-Experten wie Stefan Bratzel halten es jedoch für eher unwahrscheinlich, dass der Technologiekonzern tatsächlich ein iCar auf den Markt bringen wird.

Also doch: Obwohl Apple entsprechende Spekulationen nie bestätigt hat, will der Smartphone- und Computerhersteller offenbar doch auf dem Auto-Markt mitmischen. Die Verkehrsbehörde des US-Bundesstaates Kalifornien veröffentlichte am Freitag eine Genehmigung, wonach Apple drei umgebaute Lexus-SUVs als Testfahrzeuge registriert hat. Der Technologiekonzern aus Cupertino reiht sich damit in eine Vielzahl von Auto- und Softwareherstellern ein, die bereits eine entsprechende Lizenz in Kalifornien erhalten haben – nicht zuletzt Konkurrent Google mit seiner Tochter Waymo.

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„Apple ist bei dem Thema durchaus ernst zu nehmen, nicht zuletzt, weil das Unternehmen über viel freien Cashflow verfügt“, sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach im Gespräch mit bizz energy. „Außerdem traue ich es Apple eher als Google zu, ein Gesamtprodukt auf den Markt zu bringen, weil das Unternehmen sich mit der innovativen Verbindung von Hardware, Software und Dienstleistungen auskennt.“

Dennoch hält Bratzel es für wahrscheinlicher, dass Apple kein ein eigenes Auto auf die Straße schicken wird. Das Unternehmen habe zwar „eine hohe Produktaffinität“, bei der Entwicklung eines Autos seien jedoch deutlich mehr Hürden zu überwinden als etwa bei einem Smartphone, insbesondere in Bezug auf Sicherheitsanforderungen. Deshalb könnte es sein, dass sich der US-Konzern darauf konzentriert, lediglich die Software für autonomes Fahren zu entwickeln, sagt Bratzel: „Apple könnte ähnlich wie Google eine Kundenschnittstelle mit Big Data-Lösungen anbieten, die Autobauer in ihre Fahrzeuge integrieren.“ Daten von selbstfahrenden Fahrzeugen werden in Zukunft für Versicherungen immer wichtiger, werden aber auch für Service-Dienstleistungen wie die Abrechnung von Fahrten mit selbstfahrenden Taxis benötigt.

Gerüchte, wonach Apple im Rahmen eines Geheimprojekts namens „Titan“ an einem Apple Car mit Elektroantrieb forscht, kursieren seit mehr als zwei Jahren. Anfang 2016 war das Projekt angeblich eingefroren worden, weil es im Entwicklungsteam Verwerfungen gab. Zudem hatte Apple mehrere Auto-Spezialisten anderer Firmen abgeworben, unter anderem von Tesla. Apple verfügt bereits über verschiedenste Komponenten, die in ein Betriebssystem für Autos Eingang finden könnten: von Unterhaltungssoftware, Sprachsteuerung und Navigation bis hin zu Bildverarbeitung, Sicherheitslösungen und der Integration von Drittanbieter-Apps. So übernahm Apple 2013 die 3D-Sensorfirma PrimeSense.

Sensoren und Bildverarbeitung spielen bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge eine zentrale Rolle. Zu den wichtigsten Herstellern dieser Technologie zählt das israelische Unternehmen Mobileye, das vor kurzem für 15 Milliarden US-Dollar von Intel übernommen wurde. Autobauer BMW arbeitet bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge bereits mit Intel und Mobileye zusammen.  

Nvidia tüftelt an Auto-Gehirn

Der US-Chiphersteller Nvidia ist ein weiteres Beispiel für Kooperationen zwischen  Computer- und Autobranche: Er entwickelt gemeinsam mit Audi ein selbstfahrendes Auto mit künstlicher Intelligenz, das 2020 auf den Markt kommen soll. Außerdem nutzen die Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen und Bosch die Deep-Learning-Plattform von Nvidia, um eine Art Gehirn für das Auto zu schaffen. 

 

Jutta Maier
Keywords:
Apple | Apple Car | autonomes Fahren | Google | Genehmigung | Autozulieferer | Nvidia
Ressorts:
Markets

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