Brennstoffzellen
19.04.2017

Amazon gibt Wasserstoff Auftrieb

Foto: Álvaro Ibáñez
Amazon-Warenlager in Spanien

Nach dem Deal zwischen dem Online-Händler und dem Brennstoffzellenhersteller Plug Power sehen Investoren und Analysten die Technologie im Aufwind.

Für Plug Power geht es seit Anfang April steil bergauf: Die Aktie des US-Brennstoffzellen-Herstellers ist um mehr als 60 Prozent gestiegen, seitdem der Deal mit dem Handelsriesen Amazon bekannt wurde. Amazon wird 2017 elf seiner Lager mit Brennstoffzellen-Gabelstaplern im Wert von 70 Millionen US-Dollar ausstatten. Zudem hat sich Amazon die Kaufoption auf rund 23 Prozent der Plug-Power-Anteile gesichert – und will im Gegenzug weitere Produkte und Services für mindestens 600 Millionen Dollar kaufen. Darüber hinaus gehen die Unternehmen eine technologische Partnerschaft ein. Amazon sichert sich damit einen technologischen Vorsprung gegenüber seinem Erzrivalen Walmart, der in seinen Warenhäusern bereits tausende Gabelstabler mit Plug-Power-Brennstoffzellen einsetzt.

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„Brennstoffzellen sind dabei, sich zu einer reifen Technologie zu entwickeln“, sagt Pierre Cordelle vom internationalen Cleantech-Investor Aster Capital im Gespräch mit bizz energy. Er prognostiziert den industriellen Einsatz der Brennstoffzelle auf breiter Front. Aus Sicht von Cordelle könnte 2017 ein Übergangsjahr für die Brennstoffzellen-Technologie werden. „Wasserstoff wird wettbewerbsfähig für einige sehr spezifische Anwendungen, wie bei dem Amazon-Projekt“, sagt er. Aster Capital investiert seit Jahren in Wasserstoff-Technologien, beispielsweise in das Stuttgarter Power-to-Gas Unternehmen Etogas, das zuvor unter Solarfuel firmierte.

Brennstoffzellen-Gabelstapler steigern Produktivität

Wallstreet-Analyst Carter Driscoll von FBR Capital bewertet die Allianz mit Amazon als äußerst vorteilhaft für Plug Power. „Die Bedeutung des Deals kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, kommentiert er. Schließlich habe Amazon 2016 bis zu 45 Prozent des Onlinehandel-Umsatzes in den USA. Die „ProGen“-Brennstoffzellen von Plug Power ersetzen herkömmliche Batterien in Gabelstaplern. Die laufen mit Brennstoffzellen länger im gleichen Tempo und können minutenschnell aufgeladen werden. Dem US-Analysehaus GTM Research zufolge lassen sich mit Brennstoffzellen-Gabelstaplern bis zu 25 Prozent Stromkosten einsparen, zudem erhöhen sie die Produktivität in den Warenhäusern. Das ist besonders im Hinblick auf Amazons Expansion in den Lebensmittel-Bereich von Vorteil, wo es auf eine schnelle Abwicklung ankommt.

Für Amazon ergibt sich aus dem Deal noch eine weitere Gelegenheit – indirekt könnte der Online-Händler nun mit einem weiteren Brennstoffzellen-Player verbandelt sein: Ballard Power Technologies aus Kanada. Denn Plug Power produziert zwar Brennstoffzellen-Stacks über seine Tochter ReliOn, setzt zudem aber schon lange auf Ballard Power, welches ihm Stacks zuliefert. Und BZ-Stacks kommen auch für Flugdrohnen zum Einsatz – ein Anwendungsbereich, den Amazon seit einiger Zeit bekanntlich selbst zwecks Auslieferung von Paketen massiv vorantreibt. „Ein Deal zwischen Amazon und Ballard Power würde viel Sinn machen,“ sagt Börsenexperte Sven Jösting. So könnte der Handelsriese in die Forschung von Ballard Power investieren, um die Drohnen-Entwicklung der Ballard-Tochter Protonex zu beschleunigen, sich als potentieller Kunde in Stellung bringen und eventuell im Gegenzug Anteile an der Firma übernehmen. Denn bei Drohnen liegt die Zukunft aus Sicht von Jösting bei der Brennstoffzelle: „Wasserstoff-betriebene Drohnen sind deutlich leichter und haben eine viel längere Flugdauer als solche mit Batterien.“

Business-Case: Anwendung in Gebäuden

Es gibt jedoch auch in anderen Geschäftsfeldern zukunftsträchtige Entwicklungen: Beispielsweise bei der Ausstattung von Gebäuden mit Brennstoffzellen und Batterien, um Elektrizität „saisonübergreifend“ zu speichern, wie es Venture Capitalist Cordelle formuliert. Auf seiner Merkliste stehen die beiden Start-ups Sylfen und Hydrogenous, die Speicherlösungen für Wasserstoff entwickelt haben, außerdem der Marktführer Bloom Energy. Die US-Firma handelt mit kühlschrankgroßen Brennstoffzellen mit 200 Kilowatt zur stationären Stromversorgung, gepeist werden sie mit Erdgas. Zu den Kunden von Bloom Energy zählen große Namen wie Walmart, Google, Ikea, Coca-Cola oder Adobe. Im Vorstand sitzt unter anderem der frühere US-Außenminister Colin Powell, Wagniskapitalfirmen bewerten das Unternehmen mit stolzen 2,9 Milliarden US-Dollar.

Um Wasserstoff-Technologien weiter voranzutreiben, hofft Cordelle nun auf einen starken Ausbau der Solarenergie. Denn dies würde die Spanne zwischen den Elektrizitätspreisen im Winter und Sommer weiter vergrößern. Durch den hohen Preis im Winter, so das unausgesprochene Kalkül des Investors, würden etwa mit Strom betriebene Wärmepumpen finanziell unattraktiv – zugunsten von Gas-basierten Technologien wie der Brennstoffzelle. In Bezug auf den Einsatz von Wasserstoff in der Mobilität sieht Cordelle die Politik in der Pflicht: „Gewaltige Investitionen werden nötig sein, um die nötige Ladeinfrastruktur aufzubauen“, sagt er zu bizz energy. „Regierungen spielen eine Schlüsselrolle dabei, die richtigen Anreize zu setzen.“

Jutta Maier
Keywords:
Wasserstoff | Brennstoffzellen | Amazon | Plug Power | Gabelstapler | Ballard Power | Drohnen | Warenhäuser
Ressorts:
Technology | Markets

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