BIZZ-Exklusiv
05.11.2014

„EEG-Strom wird verramscht“

DIHK

DIHK-Präsident und Alba-Chef Eric Schweitzer über das wachsende Interesse der Wirtschaft an grünem Strom, Webfehler im EEG und alternative Vermarktung von deutschem Ökostrom.

 

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_BIZZ energy today | Wächst das Interesse der Wirtschaft an Ökostrom?

_Eric Schweitzer | Ja, weil sich viele Unternehmen bereits für Umweltschutz engagieren und es immer mehr Kunden erwarten. Schon jetzt bezieht knapp jeder fünfte Betrieb Ökostrom, das zeigt auch unsere aktuelle Umfrage. Weitere 18 Prozent haben es vor. 

_Dann ist also alles im grünen Bereich?

_Schweitzer | Leider nicht. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) enthält den Webfehler, dass es die sogenannte Doppelvermarktung verbietet. EEG-geförderte Anlagen erhalten deshalb kein Ökostrom-Zertifikat. Der EEG-Strom wird daher nicht direkt als Grünstrom an unsere Unternehmen verkauft, sondern am Spotmarkt der Strombörse gehandelt oder besser gesagt: verramscht. 

_Woher stammt zertifizierter Grünstrom?

_Schweitzer | Wasserkraftwerke in den österreichischen Alpen und in Skandinavien füllen die Lücke. Sie profitieren neben der steigenden Nachfrage nach Grünstrom in Deutschland insbesondere vom Doppelvermarktungsverbot für deutsche Anlagen. Das ist absurd; wir tragen diesen Punkt bei jeder Gelegenheit gegenüber der Bundesregierung vor. Das gilt um so mehr, als manche ausländische Anlagen auch Fördergelder beziehen.

_Die Regierung will damit verhindern, dass EEG-Anlagen doppelt profitieren ...

_Schweitzer | Wir müssen generell zu anderen Vermarktungs- und Vergütungsstrukturen für deutschen Grünstrom kommen: Weg vom Spotmarkt, hin zu den Terminmärkten. Um dort höhere Erlöse zu erzielen, benötigen Wind- und Solaranlagen solche Ökostromzertifikate. Ohne Nachweis kauft niemand teureren Strom. Mit Zertifikaten könnten auch Kombiprodukte aus Öko- und Graustrom angeboten werden. Die EEG-Umlage würde sinken und alle Stromverbraucher würden davon profitieren. Mindestens sollte die Bundesregierung die im neuen EEG angelegte Möglichkeit einer alternativen Vermarktung von deutschem Grünstrom nutzen.

 

 

Eric Schweitzer ist seit März 2013 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Dachorganisation der 80 Industrie- und Handelskammern und Koordinator aller deutschen Auslandshandelskammern. Der promovierte Betriebswirt führt im Hauptberuf das Berliner Recycling-Unternehmen Alba, das mit 8.000 Mitarbeitern knapp drei Milliarden Euro Umsatz erzielt.

Joachim Müller-Soares
Keywords:
Eric Schweitzer | Alba | DIHK | Ökostrom | EEG
Ressorts:
Governance | Markets

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