Elektroauto der Post
18.08.2017

„Die Autobauer sind sich zu fein für einfache E-Lösungen“

Foto: Deutsche Post DHL
Gemeinschaftsprojekt der Post-Tochter Streetscooter und des Autoherstellers Ford: der StreetScooter WorkXL

Die Deutsche Post findet keine passenden elektrischen Pakettransporter und baut sie deswegen selbst. Der Autoanalyst Jürgen Pieper wirft deutschen Autokonzernen Überheblichkeit vor.

Die Deutsche Post DHL Group und Ford haben in Köln ihren ersten gemeinsam produzierten E-Transporter vorgestellt. Der "StreetScooter WORK XL" basiert auf dem Fahrgestell des Ford Transit. Allerdings wird er mit einem batterieelektrischen Antriebsstrang und einem Karosserieaufbau nach Vorgaben der Deutschen Post ausgestattet. Rund 150 Vorserienfahrzeuge des Transporters sollen noch 2017 bei der Post-Tochter Streetscooter in Aachen produziert werden und bei der innerstädtischen Paketzustellung zum Einsatz kommen.

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Jürgen Pieper, leitender Automobilanalyst beim Bankhaus Metzler, bewertet die Zusammenarbeit von Post, Screetscooter und Ford im Gespräch mit bizz energy als Schlappe für die großen deutschen Automobilkonzerne. Die Post hat nach eigenen Angaben lange nach passenden E-Fahrzeugen gesucht, wurde aber bei keinem Hersteller fündig. "Die Überheblichkeit und Ignoranz der klassischen Autohersteller zeigt sich darin, dass diese sich immer noch zu fein sind, einfache elektromobile Lösungen anzubieten“, sagt Pieper. „Jetzt zeigt ihnen eine Ausgründung der RWTH Aachen, dass es möglich ist, solche Fahrzeuge zu bauen." Die Post hatte 2014 das Start-up Streetscooter übernommen und hat inzwischen mehr als 3000 Elektrofahrzeuge vom Typ Work und Work L in Betrieb genommen.

Fünf Tonnen weniger CO2 pro Jahr und Fahrzeug

Streetscooter und Ford wollen bis Ende 2018 rund 2.500 Fahrzeuge des neuen und bislang größten E-Transporters produzieren. Das Fahrzeug soll auch frei am Markt verkauft werden, wie dies bereits bei den bisherigen Streetscooter-Modellen der Fall ist.

Die Post kalkuliert die jährlichen Einsparungen je Fahrzeug auf fünf Tonnen CO2 und 1.900 Liter Dieselkraftstoff, beziehungsweise bei 2.500 Fahrzeugen 12.500 Tonnen CO2 und 4,75 Millionen Liter Diesel.

Thomas Bauer
Keywords:
Deutsche Post DHL | Streetscooter | Ford | Jürgen Pieper | Elektromobilität
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Die Geschichte der E-Transporter der Post gefällt mir gut. Ich frage mich, welche Unterschiede eine Antriebslösung mit Wasserstoff und Brennstoffzelle im Vergleich zur Batterie hätte. Ein Artikel, der die beiden Technologien am Beispiel eines E-Transportwagens vergleicht wäre sehr interessant.

Danke für die Anregung, wir nehmen sie gerne auf.
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